Arbeitsmarktpolitik
DGB Report belegt: Leiharbeit verdrängt reguläre Jobs (09.02.11)
Der DGB Bayern hat seine Studie "Leiharbeit in Bayern: Unreguliert - Unterbezahlt - Unsicher" vorgestellt. Ein zentrales Ergebnis: Leiharbeiter erhalten im Schnitt nur halb so viel Lohn wie regulär Beschäftigte. In der Spitze liegt die Lohndifferenz bei 60%. "Die systematische finanzielle Schlechterstellung von Leiharbeitern zeigt es deutlich: Durch Leiharbeit soll ein zweites, niedrigeres Entlohnungsniveau geschaffen und ein Arbeitnehmer zweiter Klasse etabliert werden", sagte der Vorsitzende des DGB Bayern, Matthias Jena, bei der Vorstellung des Reports.
  
Die Studie zeigt: Das Ausmaß der Leiharbeit und die Benachteiligung der Leiharbeiter sind noch gravierender als bisher angenommen. So arbeiten in Bayern 4 von 5 Leiharbeitern für Niedriglöhne, Leiharbeiter sind siebenmal so häufig wie andere sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zusätzlich auf Hartz IV angewiesen. Das kostet den Steuerzahler allein in Bayern rund 70 Mio. Euro im Jahr.
Leiharbeit ist in Bayern keine Brücke in dauerhafte Beschäftigung und verdrängt reguläre Arbeitsplätze. Daher ist Leiharbeit also kein Jobmotor und kein stabilisierender Puffer am Arbeitsmarkt. Im Gegenteil: Leiharbeit verstärkt die Schwankungen am Arbeitsmarkt. In der Wirtschaftskrise 2008/09 wurden in Bayern fast ausschließlich Leiharbeiter arbeitslos. Während die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne Leiharbeit konstant geblieben ist, wurde im gleichen Zeitraum jeder dritte Leiharbeiter entlassen.
Inzwischen hat die Zahl der Leiharbeiter das Vorkrisen-Niveau deutlich überschritten. Die offizielle Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) nennt für Bayern die Zahl von 115.000 Leiharbeitern. Datenabgleiche und Berechnungen von Dr. Hermann Biehler (IMU Institut), der die Studie im Auftrag des DGB Bayern durchgeführt hat, haben allerdings eklatante Schwächen in der BA-Statistik offengelegt. Das IMU Institut und der DGB Bayern gehen daher von 200.000 Leiharbeitern in Bayern aus.
Matthias Jena forderte die Politik auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und weiteres Lohndumping durch Leiharbeit zu verhindern: "Wir fordern gleiches Geld für gleiche Arbeit und gleiche Behandlung von Leiharbeitern ab dem ersten Tag der Beschäftigung. Und wir fordern einen Mindestlohn von 8,50 Euro für die verleihfreien Zeiten." Jena sieht vor allem die Union und Ministerpräsident Horst Seehofer in der Pflicht: "CDU und CSU müssen endlich Handlungsfähigkeit beweisen. Es kann nicht sein, dass sich die Bundeskanzlerin und die mit Abstand größere Regierungsfraktion ständig von den Arbeitgebern und ihren parteipolitischen Handlangern auf der Nase herumtanzen lassen.
 
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