Den Missbrauch von Praktika stoppen (06.05.11)
Trotz des angeblichen Fachkräftemangels werden Praktikantinnen und Praktikanten immer noch als billige Arbeitskräfte ausgebeutet. Zu diesem Ergebnis kommt die neue wissenschaftliche Studie „Generation Praktikum 2011“ vom Deutschen Gewerkschaftsbund und von der Hans-Böckler-Stiftung (HBS). Im Mittelpunkt der Studie stehen Praktika nach dem Hochschulabschluss.
Vier von fünf Praktikanten leisten vollwertige Arbeit in den Betrieben, drei von vier geben an, dass sie fest in die Arbeitsabläufe eingeplant sind. Es kann und darf nicht sein, dass qualifizierte Hochschulabsolventen als Praktikanten ausgebeutet werden. Deshalb lehnt der DGB Praktika nach dem Studienabschluss grundsätzlich ab. Stattdessen sollen Unternehmen und Verwaltungen reguläre Arbeitsverhältnisse oder Trainee- und Berufseinstiegsprogramme anbieten.“ Praktika sind ein Lern- und kein Beschäftigungsverhältnis, darum muss ein Praktikum im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) gesetzlich als Lernverhältnis definiert werden. Praktikanten müssen ein Recht auf einen Praktikumsvertrag haben inklusive Praktikumsplan mit Lerninhalten und -zielen. Außerdem müssen Praktikanten einen Anspruch auf eine Aufwandsentschädigung haben.
Ein gravierendes Problem für Praktikanten ist die Bezahlung. Das Durchschnittseinkommen der bezahlten Praktika liegt aktuell bei 551 Euro brutto monatlich. Weil man damit nicht über die Runden kommt, sind viele Praktikanten auf die Unterstützung ihrer Eltern oder ihrer Partnerinnen und Partner angewiesen. Jeder fünfte ist auf Sozialleistungen angewiesen.
Bereits im Jahr 2007 haben DGB und Hans-Böckler-Stiftung eine Studie zur „Generation Praktikum“ vorgelegt. Auch dieses Mal wurde die Studie gemeinsam von der DGB-Jugend und der HBS entwickelt. Heidemarie Hecht vom Arbeitsbereich Absolventenforschung von der FU Berlin hat gemeinsam mit dem Soziologen Boris Schmidt die Befragung und Auswertung übernommen.
Insgesamt wurden 674 Absolventinnen und Absolventen aus vier deutschen Universitäten befragt. Die Befragten haben einen Online-Fragebogen ausgefüllt, in dem sie ihren beruflichen Werdegang in den dreieinhalb Jahren zwischen Studienabschluss und dem Befragungszeitpunkt beschreiben sollten. |
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