Deutschlands Kassenärzte bekommen eine Milliarde mehr (07.10.10)
Während der Niedriglohnsektor im Land wächst und wächst, knallen bei den Ärzten mit eigener Praxis die Sektkorken. Nach Angaben der Krankenkassen erhalten die 150 000 zugelassenen Kassenärzte 2011 Honorare in Höhe von 33 Milliarden Euro, eine Milliarde Euro mehr als in diesem Jahr und damit eine Steigerung der Bezüge um gut drei Prozent. Damit erreichen die Ärztehonorare neue Rekordhöhen. Anders als von Bundesgesundheitsminister Rölser (FDP, selbst Arzt) angekündigt, wird in diesem Bereich also nicht gespart, sondern weiter geklotzt. Das ist erstaunlich, da die Ärzte schon in diesem Jahr Honorarerhöhungen von satten 6,3% durchsetzten.
„Bezahlen müssen dies die Beitragszahler über die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge.“, sagt der Vizechef des Kassenverbandes Johann- Magnus von Stackelberg. Die Beiträge sollen laut Gesundheitsminister Rösler ab 01.01.2011 von 14,9 auf 15,5 Prozent steigen.
Die Ärztehonorare werden jährlich zwischen Ärztevertretern und den Krankenkassen in einem paritätisch besetzten Verhandlungsgremium austariert. Die Kassen wurden bei den Verhandlungen dem Vernehmen nach überstimmt, weil der unabhängige Sachverständige der Bundesregierung Jürgen Wasem mit den Ärzten stimmte. Er gibt den Ausschlag, wenn kein Einvernehmen zwischen den Parteien erzielt wird.
Die nun beschlossene Honorarsteigerung kommt nach Angaben der Ärztevertreter vor allem den Ärzten in Bayern, Baden- Würrtemberg und dem Rheinland zugute. Genaue Berechungen liegen allerdings noch nicht vor. Die Details wollen Ärzte und Kassen am kommenden Montag klären.
An dieser Stelle zeigt sich, dass es durchaus Sinn macht jahrelang zu poltern um den eigenen Finanzstatus zu verbessern. Die gewerkschaftliche Praxis belegt dies seit mindestens einem Jahrhundert. Wobei die beiden Sachverhalte nur schwer vergleichbar sind. Ärzte sind Selbstständige im Wettbewerb um Patienten. Abhängig Beschäftigte, die sich in Gewerkschaften zusammenschließen um eine Gegenmacht zum Arbeitgeber herzustellen, bleiben abhängig beschäftigt, sind kündbar und können das eigene Einkommen nur durch Lohnverhandlungen mehren. Unternehmer, wie es Ärzte durchaus sind, haben die Möglichkeit über entsprechende Maßnahmen neue Produkte oder Dienstleistungen auf dem Markt anzubieten, neue Geschäftsfelder zu erschließen und ihr Einkommen auf diese Weise zu erhöhen. Gleichzeitig befinden sich Kassenärzte zusätzlich in der Situation, ihre Honorarsätze mit den Kassen verhandeln zu dürfen. Eine Zwitterstellung, wenn man so will.
In der Analyse der finanziellen Lage der Ärzte lohnt ein Blick auf ihre Einkommensverhältnisse. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verzeichneten Hausärzte 2007 ein Bruttoeinkommen von durchschnittlich 116 000 Euro/ Jahr. Fachärzte sind durchweg besser bezahlt. An der Spitze der Einkommensskala liegen niedergelassene Radiologen mit einem Jahresbrutto von durchschnittlich 264 000 Euro! Damit keine falschen Eindrücke entstehen: Bei diesen Zahlen sind schon alle Praxiskosten wie Miete, Personal, Energie, Telefon etc., abgezogen. Es handelt sich bei diesen Bruttoeinkommen also um das zu versteuernde Einkommen!
Ein Blick auf die Bezahlung der Arzthelferinnen in den Praxen zeigt, dass die Ärzte ihren eigenen Anspruch weit über dem ihrer Mitarbeiterinnen ansetzen. Sie liegen im Schnitt, je nach Ort, Tätigkeit und Betriebszugehörigkeit zwischen 1400 und 2000 Euro brutto/ Monat. Gehaltsteigerungen von über 6%, wie sie die Ärzte 2010 verwirklichten, erhalten ihre Mitarbeiterinnen eher in einem Zeitraum von 10 Jahren, wenn überhaupt.
Bleiben drei Fragen, die wir beantworten müssen:
Frank Firsching
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