Gesundheitspolitik
Ärzte verdienen deutlich mehr (30.07.09)
 Alles Gejammer nur heiße Luft. Über Monate hinweg haben die Ärzte, insbesondere in Bayern und Unterfranken auf die Honorarreform geschimpft, die sie selbst einmal gefordert hatten. Von Praxisschließung aufgrund Honorarkürzungen von 20% bis 40% war die Rede. Doch wie sieht die Realität aus?

Erst jetzt liegen die Zahlen für das 1. Quartal 2009 vor. Das heißt. Die Ärzteverbände, die Anfang diesen Jahres ihre Mitglieder aufforderten aus Protest ihre Praxen zu schließen und die Patienten in „Geiselhaft“ zu nehmen und sie zu instrumentalisieren, handelten verantwortungslos. Sie hatten noch keine Abrechnung und stellten Behauptungen auf, die nicht zu halten sind. Im Bundesschnitt stiegen die Vergütungen der Ärzte im 1. Quartal ´09 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 8%! Viele Arbeitnehmer würden sich über diese Lohnerhöhung nicht beschweren, sondern freuen.
Richtig ist auch, dass die Steigerungen je nach Bundesland unterschiedlich hoch ausfallen. Während die Vergütungen in Berlin mit satten 32,2% zu Buche schlagen, fallen sie in Bayern mit plus 3,5% zwar bescheidener, aber dennoch spürbar aus. Einzig in Baden- Württemberg muss die Ärzteschaft ein leichtes Minus von 0,7% verkraften. Grundsätzlich ist zu erkennen, dass die Honorare im Osten deutlich gestiegen sind. Die Spanne reicht von plus 8,9% in Brandenburg bis plus 16,1% in Sachsen- Anhalt. Aber auch in West- Ländern wie in Niedersachsen mit plus 17,6% und im Saarland mit plus 13,2% werden Steigerungen erreicht, die, wie beispielsweise im Einzelhandel, nicht in 15 Jahren Tarifpolitik realisiert werden!
Unterschieden nach Fachbereichen profitieren Kardiologen, Nervenärzte und Hautärzte am stärksten von den Honorarsteigerungen. Am schlechtesten lief es für die Orthopäden.

Festzuhalten bleibt, dass nicht jede Behauptung, die ein Arzt aufstellt der Wahrheit entspricht, auch wenn er einen weißen Kittel trägt, der die Unschuld symbolisieren soll. Ich meine, die Ärzteschaft hat sich mit diesem Theaterstück keinen Gefallen getan- ihre Glaubwürdigkeit ist dahin. Bedenken sollten wir Versicherte und Patienten, dass wir es sind, die den Einkommenszuwachs der Ärzte durch unsere Kassenbeiträge finanzieren. Sollte Sie also das nächste Mal beim Arzt agitiert werden, bedenken Sie: Er will mehr Geld von Ihnen!

Frank Firsching
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