Gesundheitspolitik
Ärztemangel oder Überversorgung? (09.02.10)
Immer wieder tauchen in den Medien Meldungen über einen grassierenden Ärztemangel auf. Doch was ist dran an dieser Nachricht, die regelmäßig von Ärzteverbänden und ihren Lobbyorganisationen verbreitet werden? Ein Versuch der Versachlichung.

Fakt ist, dass es in Bayern (!) noch nie so viele berufstätige Ärztinnen und Ärzte gab, als Ende 2009. Die offizielle Statistik der Bayerischen Landesärztekammer erfasst zu diesem Zeitpunkt über 54 500 berufstätige Mediziner. Zehn Jahre zuvor, Ende 1999 lag die Zahl noch bei 47 315, vor zwanzig Jahren, 1989 bei knapp 33 000 und 1979 bei etwa 24 000. Somit hat sich die Zahl der berufstätigen Ärzte in Bayern in den letzten dreißig Jahren mehr als verdoppelt. Der Anstieg entfällt sowohl auf die Anzahl der Krankenhausärzte, als auch der praktizierenden Ärzte in Arztpraxen. So entfallen auf einen Arzt in Bayern 229 Einwohner (1999: 264, 1989: 338, 1979: 454).

Aus dieser quantitativen Betrachtung zu schließen, in Bayern gebe es einen Ärztemangel wäre vermessen. Feststellbar ist aber auch eine Ärztekonzentration auf die Ballungsgebiete wie z.B. München. Dagegen kann es in ländlichen Gebieten, wie in Teilen der Oberpfalz oder der Rhön an der einen oder anderen Stelle durchaus „weiße Flecken“ in bestimmten Disziplinen geben. Eine objektive Betrachtung der Sachlage durch die Ärztelobby ist deshalb angezeigt und muss verlangt werden. Nur wenn es gelingt die „weißen Flecken“ objektiv herauszufiltern und diesen Mangel gezielt zu beheben, ist die Ärzteschaft an dieser Stelle ernst zu nehmen. Jammern als Panikmache taugt nicht.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gibt es im Freistaat noch 360 offene Zulassungsmöglichkeiten für niedergelassene Ärzte. Dem stehen mehr als 1800 in Bayern arbeitslos gemeldete Ärzte gegenüber.
Es muss deshalb im gemeinsamen Interesse darum gehen Lücken zu schließen, anstatt über grundlose Panikmache unangemessene Honorarforderungen zu begründen. Diese gehen nämlich in steter Eintracht mit der Legende vom Ärztemangel einher. Da wäre die Forderung nach einer Lockerung des Numerus clausus für Medizin die logische Konsequenz. Mehr jungen Menschen könnte ein Medizinstudium aufnehmen und anschließend praktizieren. Das brächte sicherlich mehr, als den schon praktizierenden Ärzten einfach mehr Geld zu geben.

Einwurf:
Ich möchte an dieser Stelle zu den angekündigten Zusatzbeiträgen einiger gesetzlicher Krankenkassen Stellung nehmen. Darüber zu schimpfen ist einfach. Den Kassen, die Zusatzbeiträge erheben müssen, Unwirtschaftlichkeit vorzuwerfen ebenfalls. Politiker tun dies gerne und regelmäßig. Der Ehrlichkeit halber müssten sie zugeben, dass ihre Gesetze Zusatzbeiträge zur Finanzierung des Gesundheitswesens vorsehen. Da der Gesundheitsfond die Kosten nicht hundertprozentig abdecken soll, führt an den Zusatzbeiträgen kein Weg vorbei. Das war eine politische Entscheidung. Die Kassen die augenblicklich noch herumkommen, können dies, weil sie noch Geld auf der hohen Kante haben. Ist es verbraucht, kommt der Zusatzbeitrag. Politiker die gleichzeitig die Arzthonorare um 3,9 Milliarden Euro anheben, brauchen anschließend auch nicht die Kassen zu kritisieren, die diese Honorare zahlen müssen. Sie sollten lieber den Versicherten vorher reinen Wein einschenken. Das Honorarplus zahlen wir- ist doch klar!

Frank Firsching
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