Hausärzteproteste auf dem Rücken der Patienten? (25.08.10)
Bayerns Hausärzte protestieren gegen die Pläne von Gesundheitsminister Rösler (FDP) mit Praxisschließungen. Am 26. und 27.08. sollen auch in Unterfranken viele Allgemeinmediziner ihre Praxen geschlossen halten. Der Protest richtet sich gegen Röslers Vorhaben die hausarztzentrierte Versorgung einzuschränken.
Konkret will der FDP Politiker bei der hausarztzentrierten Versorgung 500 000 Euro einsparen. Dazu sollen die Arzthonorare erst einmal eingefroren werden. Die Ärzte befürchten darüber hinaus das Ende der „Hausarztmodelle“, wie sie die AOK Bayern angeschlossen hat. Diese Modelle sorgen unter anderem für extra- Honorare der Hausärzte.
Umstritten bleibt das Instrument von Praxisschließungen selbstständiger, niedergelassener Ärzte, die einen Versorgungsauftrag erfüllen müssen. Krankenkassen kritisieren die Patienten würden „in kollektiver Geiselhaft genommen“ und für die „eigenen Interessen instrumentalisiert“.
Dazu eine Pressemeldung der Vereinigung der Ersatzkassen (vdek):
Politik der verschlossenen Praxistür
Hausärzte lassen Patienten im Stich
Mehr als 200.000 € durchschnittliches Jahreshonorar, Honorarsteigerungen über drei Prozent im Jahr der Wirtschaftskrise 2009 und ein zusätzliches Honorarplus von 15 Prozent aus den Verträgen zur Hausarztzentrierten Versorgung in diesem Jahr - die Hausärzte in Bayern stehen an der Spitze der Einkommensskala und verdienen laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung mittlerweile sogar mehr als ihre gut bezahlten Facharztkollegen. Trotzdem betreiben sie eine Politik der verschlossenen Praxistür. Diese Aktion zielt auf die Gesundheitspolitik in Berlin und trifft die Patienten in Bayern.
„Das Widersinnige ist, dass der Bayerische Hausärzteverband nicht etwa gegen Honorarkürzungen auf die Barrikaden geht, sondern lediglich gegen eine moderate Begrenzung der Honorarzuwächse“, merkt Ralf Langejürgen, Leiter der Landesvertretung Bayern des Verbandes der Ersatzkassen, an. „Wer hilfesuchende Patienten - darunter viele Kleinrentner, Arbeitslose und alleinerziehende Mütter – aussperrt und damit gerade diejenigen schädigt, von denen die Honorargelder kommen, der handelt nicht nur fahrlässig, sondern zutiefst unsozial“, kommentiert Ralf Langejürgen die Praxisschließungen.
Dieser Streik droht, die hausärztliche Versorgung in Bayern zu einem Lotteriespiel werden zu lassen. „Wenn nämlich Hausärzte in Zukunft ihre Patienten nur noch unter dem Damoklesschwert der Streikdrohung behandeln, dann sehe ich schwarz für die hausärztliche Versorgung im Freistaat“, so der vdek-Chef in Bayern. Vor diesem Hintergrund müssen sich die Krankenkassen gut überlegen, ob sie in Zukunft nicht in alle Honorarverträge eine Streikklausel mit Sanktionsmöglichkeiten gegen streikende Ärzte einbauen sollen, um ihre Versicherten besser zu schützen.
|
|
