Rentenpolitik
Rente ab 67 lässt Rentner arbeiten (08.04.11)
Einer kürzlich veröffentlichter Studie zufolge, wird die Rente ab 67 zu „Überbrückungsproblemen“ vieler älterer Menschen führen. Damit meinen die Arbeitsmarktforscher Matthias Knuth und Martin Brussig vom Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Uni Duisburg- Essen, eine wachsende Zahl von über 60jährigen, die sich mit prekären Jobs bis zum Renteneintritt über Wasser halten müssen.

 

Dabei stellten die Forscher fest, dass sich diese „Überbrückungsprobleme“ deutlich negativ auf die Höhe der Altersversorgung auswirken. Bereits jetzt gehe etwa jeder zweite mit entsprechenden Abschlägen vorzeitig in den Ruhestand. Lediglich Männer, die aus stabiler Beschäftigung in Rente gehen, schafften es, mehrheitlich (53,7%) ohne Abschläge das Renteneintrittsalter zu erreichen, das heute allerdings noch bei 65 Jahren liegt! Bei den Frauen mit stabiler Beschäftigung seien das nur 37 Prozent.
In allen anderen Gruppen, also Frauen und Männer in gelegentlicher oder längerer Arbeitslosigkeit, müssen derzeit 60 bis 80 Prozent der Neurentner Abschläge hinnehmen. Bis zu der im Jahr 2031 abgeschlossenen Umstellung auf die Rente ab 67 werde sich zeigen, ob die Erwerbstätigen künftig tatsächlich so lange arbeiten, sagt die Studie, die im Auftrag der gewerkschaftlichen Hans- Böckler- Stiftung in Auftrag gegeben wurde.
Die Forscher rechnen mit etlichen Nachteilen für die künftigen Rentengenerationen, sollte sich die Beschäftigungschancen Älterer nicht dramatisch verbessern. Die oftmals schlechten Jobs, die viele Beschäftigte im letzten Jahrzehnt ihres Arbeitslebens verrichten müssen, dürften ebenso wenig ausgeblendet werden, wie zunehmend psychische Belastungen am Arbeitsplatz.

Die stetig abnehmende Höhe der Altersbezüge kombiniert mit der schrittweisen Erhöhung des Renteneintrittsalters führe, nach Einschätzung der DGB Region Schweinfurt- Würzburg, zwangsläufig auch zu einer stärkeren Erwerbstätigkeit von Rentner, denen die Rente zu Leben nicht mehr reichen wird. Insbesondere Mini- und Midi- Jobs werden von Rentnerinnen und Rentner zunehmend benötigt, um die Rentenkürzungsprogramme auszugleichen. Problematisch für all jene, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr erwerbstätig sein können- und davon sind, früher oder später, alle betroffen. Auch so gesehen ist die Rentenpolitik ein Programm zur Wiedereinführung breiter Altersarmut.


Frank Firsching

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