Von der Leyen will Rente ab 67 ohne Ausnahme (30.06.10)
Wenn es nach Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen geht, sollen alle bis 67 arbeiten und zwar ohne Ausnahme. Das soll auch für körperlich anstrengende Berufe gelten. „Wir müssen einfach kreativer denken“, sagte sie der Rheinischen Post. „Ob Dachdecker oder Bäcker, niemand muss mit 66 noch das gleiche machen, wie mit 16. Wer Berufserfahrung hat, kann auch Büroarbeit in seiner Branche übernehmen.“ Die IG BAU bezeichnete die Äußerungen der Ministerin als lebensfremd. „Dachdecker, Eisenflechter oder Betongießer ins Büro verpflanzen zu wollen, wird nicht funktionieren“, sagte IG BAU Vorsitzender Klaus Wiesehügel. Statt „Job- Illusionen“ zu schaffen sollte die Ministerin die Realität zur Kenntnis nehmen: Noch nicht einmal jeder achte Beschäftigte auf dem Bau sei 55 Jahre oder älter.
Der rheinland- Pfälzische Ministerpräsident und frühere SPD- Chef Kurt Beck bezeichnete von der Leyens Aussage als „Quatsch mit Soße“ und „fern der Realität“. Es werde flexible Übergangslösungen in die Rente mit 67 geben müssen. Schade nur, dass Becks SPD diese Übergangslösungen nicht schuf, als sie mit der Union die Rente mit 67 verabschiedete. Immerhin war es kein geringerer als Franz Müntefering selbst, der als Erfinder der Rente ab 67 gelten darf. Diese notwendigen Übergangslösungen im Nachhinein zu schaffen wir ungleich schwerer, insbesondere bei veränderten Bundestagsmehrheiten.
Kritik kam auch von der Linkspartei. Von der Leyen wolle der „Silberschatz des Alters“ haben und gleich an der nächsten ecke verscherbeln. Was bleibt, ist für viele nur Altersarmut“, sagte der rentenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Matthias Birkwald.
Für den DGB Regionsvorsitzenden Frank Firsching ist klar, dass sich die politische Zustimmung von CDU/ CSU/ SPD und FDP für die Rente ab 67 nicht mehr verändern lasse: „Da müssten schon Volksaufstände her, deren Zustandekommen ich aber nicht sehe.“ Deshalb müsse alles dafür getan werden eine berufs- und personenbezogene Flexibilität beim Renteneintrittsalter einführen. Warum könne ein Bauarbeiter oder ein Schichtarbeiter, der mit 16 Jahren mit dem Berufsleben beginnt, nicht mit 58 oder 60 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen? Er hätte dann 40, 42 oder 44 Jahre geschuftet. Gleichzeitig dürfe hinterfragt werden, ob nicht im Gegenzug ein Geschäftsführer, der nach dem Studium mit 28 Jahren ins Berufsleben einsteigt beispielsweise bis 70 Jahre arbeiten könne. „Ziel flexibler Renteneintritte müsse sein, finanzielle Sicherheit bei Würdigung von Berufsbelastungen und Beschäftigungszeiten zu gewährleisten.“ |
![]() Arm trotz Arbeit?
Selbst Vollzeitarbeit schützt nicht vor Armut. Nach einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung arbeiten 32 % aller Vollzeitbeschäftigten in Deutschland im Niedriglohnbereich.
|
