2. Halbjahr 2011
Wie ausbildungsreif sind die Betriebe? (23.09.11)
Schweinfurt. Jahrelang hörte man die Arbeitgeber jammern viele Schulabgänger seien gar nicht ausbildungsfähig, weil zu dumm oder faul. Die Rosinenpickerei setzte ein. Es gab in den letzten 20 Jahren immer wesentlich mehr Bewerber um Ausbildungsstellen als Ausbildungsplätze. Gerade ändern sich die Vorzeichen. Dem Thema angenommen hat sich die DGB- Jugend.
  
So stellte DGB Jugendsekretär Björn Wortmann seine Studie „Ausbildungsbedingungen und Ausbildungsqualität in Nordbayern in einer Pressekonferenz im DGB Gewerkschaftszentrum Schweinfurt vor. Mit von der Partie der stellvertretende ver.di Geschäftsführer Sinan Öztürk, Nina Zach für die IG Metall Schweinfurt und DGB Regionsvorsitzender Frank Firsching.
 
Kurzauswertung der Studie
 
651 Auszubildende hat die DGB Jugend Nordbayern im Frühjahr 2011 motiviert die Dr. Azubi- Fragebögen des DGB auszufüllen. Gefragt wurde nach der Höhe der Ausbildungsvergütung ebenso, wie nach der Anzahl von Überstunden, der Kenntnisse über den Ausbildungsplan oder der Qualität des Berufsschulunterrichts. So kann der Fragebogen als eine Art TÜV für die Ausbildungsbetriebe angesehen werden. Eines vorneweg: müssten alle Ausbildungsbetriebe eine Prüfung ablegen, es gäbe nicht wenige die würden durchfallen. Klar ist aber auch, dass es viele Betriebe mit hervorragender Ausbildungsqualität gibt. Die Studie belegt eindeutig: Ist eine betriebliche Interessensvertretung wie Jugend- und Auszubildendenvertretung und Betriebsrat vorhanden, ist die Ausbildung besser, es geht gerechter zu und die Rechte der Jugendlichen werden respektiert.
So gaben 17,6% der Befragten an, dass sie mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten. 43,7% müssen regelmäßig Überstunden leisten. 39% der minderjährigen Azubis müssen Überstunden machen, im Schnitt 3,5 Stunden die Woche. Über 25% mehr als 5 Stunden in der Woche. Für 28,7% der Betroffenen gibt es keinen Ausgleich für die geleistete Mehrarbeit. Insbesondere Jugendliche unter 16 Jahren bekommen häufig weniger Urlaub als ihnen gemäß Jugendarbeitsschutzgesetz zusteht.
Ohne Ausbildungsplan sind 34,4% der Befragten. 40,3% haben zwar einen Plan für ihre Ausbildung, sind damit aber nur „etwas“ oder „überhaupt nicht“ vertraut. Dieser Sachverhalt lässt auf deutliche Defizite in den betroffenen Betrieben schließen.. Immerhin 21,2% der Azubis in Betrieben ohne Interessensvertretung geben an, dass sie „häufig“ oder „immer“ zu ausbildungsfremden Tätigkeiten herangezogen werden. Mit JAV und BR sind es „nur“ 13,4%!
Ein großes Problem stellt für viele junge Menschen die Übernahme nach der Ausbildung dar. Nur 28,4% können auf die gewisse Übernahme nach der Ausbildung vertrauen. Gibt es eine JAV und einen BR werden 30,6% übernommen, sind die Jugendlichen ohne Vertretung sind es nur 14% mit Übernahmegarantie.
So stellt Björn Wortmann eindeutig fest: „Betriebsklima und Betreuung der Auszubildenden sind Indikatoren für eine gute Ausbildung. Schlechte Behandlung lässt den Zufriedenheitswert stark absinken.“
 
Rosinenpickerei anders herum?
 
Regionschef Frank Firsching ist froh über die mittlerweile gegenläufige Entwicklung: „20 Jahre hatten wir einen enormen Ausbildungsplatzmangel. Hunderttausende Jugendliche wurden nicht ausgebildet. Jetzt scheint sich das Blatt zu wenden. Es gibt weniger Schulabgänger und konjunkturbedingt wieder mehr Ausbildungsstellen. Endlich hört die Rosinenpickerei der Arbeitgeber auf.“ Weiter hob er hervor, dass man nicht mehr über jeden angebotenen Ausbildungsplatz jubilieren müsse, sondern die Qualitätsfrage wieder in den Mittelpunkt rückt. „Ausbildungsbetriebe, die ihre Azubis vorwiegend als billige Arbeitskräfte missbrauchen, werden in Zukunft wohl kaum mehr Auszubildende finden und das ist gut so.“
 
Sinan Öztürk analysierte die regional aktuellen Daten zum Ausbildungsmarkt. Demnach stehen im Agenturbezirk Schweinfurt für 3779 Bewerber nur 3532 Stellen zu Verfügung. „Das ist besser als in den Jahren zuvor, aber noch lange nicht gut genug!“, sagte Öztürk. Die Lage sei in ganz Nordbayern wesentlich schlechter als im Süden des Freistaates, wo es mehr Stellen als Bewerber gebe. Insgesamt fehlten in Ober- und Unterfranken über 1000 Ausbildungsstellen. „Wir sind auf dem richtigen Weg, das Ziel eines auswahlfähigen Ausbildungsplatzangebot für Jugendliche aber noch lange nicht erreicht.“, sagte der ver.di- Mann.

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