Schweinfurt. Die IG Metall Verwaltungsstelle Schweinfurt fordert eine Lohnerhöhung in der diesjährigen Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie von 8% bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Das hat die Delegiertenversammlung am gestrigen Abend im Konferenzzentrum nach intensiver Debatte beschlossen.

Bevor die inhaltliche Diskussion begann, gab der 1. Bevollmächtigte Peter Kippes, einen Überblick zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands und zur Entwicklung der Metall- und Elektroindustrie in der Region Scheinfurt/ Main- Rhön. Seine Botschaft war klar: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erlauben eine kräftige Lohnerhöhung in der Branche. So sei das enorm hohe Produktionsniveau aus dem Jahr 2008 inzwischen gar übertroffen, die Gewinne der Unternehmen sprudelten und die Lohnstückkosten sanken gegenüber dem Jahr 2005 um aktuell 9%! Auch alle Prognosen für das Jahr 2012 kämen zu einer positiven Einschätzung, auch wenn Risiken durch die Finanzkrise bestünden. „Von einer Rezession sind wir meilenweit entfernt“, sagte der oberste Schweinfurter Metaller.
Dementsprechend seien die Beschlüsse anderer bayerischer Verwaltungsstellen ausgefallen. Durchweg im Korridor 7% bis 8,5%. Die Erwartungshaltung sei überall in den Betrieben „sehr hoch“. Angesichts der Belastungen unserer Kolleginnen und Kollegen durch Sonderschichten und Überstunden eine nachvollziehbare Realität.
In der anschließenden Debatte bestätigte sich Kippes Einschätzung. Aus elf Betrieben meldeten sich die zuständigen

Vertrauenskörperleiter zu Wort und berichteten aus ihren innerbetrieblichen Diskussionen und gaben ihre Forderung kund. Dabei überraschte weniger die Höhe der eingeforderten Lohnerhöhung sondern die Häufigkeit von linearen Festgeldforderungen. Sie Spannweite ging von plus 10% bei mindestens 250 Euro/ Monat über 7,5% bis hin zu 235 Euro/ Monat und 150 Euro/ Monat plus 5%. Diese Vielfalt belegt den ernsthaften Willen der Vertrauensleute eine möglichst „gerechte“ Forderung aufzustellen, von der alle gleichermaßen profitieren. Dabei konzentrierten sich die Befürworter der monatlichen Festgeldforderungen auf das Argument der Lohngerechtigkeit für die unteren Lohngruppen. Diese seien bei einer prozentualen Lohnerhöhung benachteiligt weil ihre Lohnerhöhung real immer geringer ausfalle, als die der oberen Lohngruppen, die zudem kaum gewerkschaftlich organisiert seien. Das fochten die Befürworter der prozentualen Forderung nicht an. Sie argumentierten mit der Tatsache, dass es hier in Schweinfurt praktisch kaum Beschäftigung in unteren Lohngruppen gebe und beispielsweise Arbeitgeber im bayerischen Wald

Arbeitsplätze nach Osteuropa verlagern würden, wenn die unteren Lohngruppen überproportional angehoben würden. Deshalb sei auch die Durchsetzung einer monatlichen Festgeldforderung illusorisch. Weder die Arbeitgeberverbände, noch die Beschäftigten in diesen Gebieten würden diese Forderungsart unterstützen, weil sie Arbeitsplätze koste, so die These. Mit der ERA- Einführung seien zudem die unteren Lohngruppen und die Facharbeitergruppen höher bewertet worden und die Lohngerechtigkeit insofern erst kürzlich auf dem Prüfstand gewesen.
Dem Vorschlag des IG Metall Ortsvorstandes nach einer Lohnforderung von 8% folgte die Mehrheit der Delegierten. Doch auch an Einigkeit haperte es nicht. Die Laufzeit soll möglichst ein Jahr betragen, Kompensationsgeschäfte mit den qualitativen Forderungen soll es auch keine geben. Das wird wohl schwierig werden, da die IG Metall in dieser Tarifrunde die Themen unbefristete Übernahme der Auszubildenden, Gleicher Lohn für gleiche Arbeit für Leiharbeiter, sowie erweiterte Mitbestimmungsrechte für Betriebsräte bei der Beschäftigung von Leiharbeitern und der Vergabe von Werkverträgen anpacken will.
Mit dem Beschluss gehen die hiesigen Mitglieder der bayerischen Tarifkommission auf die vorbereitende Sitzung am 31. Januar, am 07. Februar folgt dann die Empfehlung des Vorstandes, bevor die bayerischen Tarifkommission am 23. Februar die endgültige Forderungshöhe beschließt. Die Friedenspflicht endet am 30.04.
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