Seidls Lesung „Mutterkorn“ voller Erfolg (27.01.12)
Schweinfurt. Genau ein Stuhl von 49 blieb im DGB Gewerkschaftszentrum Schweinfurt frei, bei der Lesung des Autors Leonhard F. Seidl. Das Bündnis für Demokratie und Toleranz „Schweinfurt ist bunt“ hatte eingeladen. Auslöser der Veranstaltung waren die Morde der Nazi- Terrorzelle „NSU“ (Nationalsozialistischer Untergrund) wie Bündnissprecher Frank Firsching kund tat.
Leonhard Seidl, einst als Kranken- und Altenpfleger tätig, arbeitet seit Jahren als Autor. In seinem Roman „Mutterkorn“ verarbeitet Seidl die Themen Sucht, Pflege und Die reale gewalttätige Gefahr, die von alten und neuen Nazis ausgeht, vermittelte die Lesung eindringlich. So werden die rassistischen Anschläge von Neonazis auf die Asylbewerberheime in Mölln, Solingen und Rostock- Lichtenhagen Anfang der 90´er Jahre ebenso bearbeitet wie der geplante Anschlag auf die Münchner Synagoge im Jahr 2003. In seiner Lesung unterstreicht der Nürnberger Seidl seine Lesesequenzen mit Foto und Filmmaterial aus der Wirklichkeit. Filmausschnitte Die beklemmende aber auch Mut machende Diskussion der Teilnehmenden zeigte auf, dass die Gesellschaft Neonazis entschieden entgegentreten muss, um Gewaltexzesse der Menschenfeinde zu verhindern. Gleichzeitig braucht es viel mehr Aufklärung über die Ziele und Methoden von Nazis und Rechtsradikalen, für die Gewalt probates Mittel zum Zweck ist. Der Zweck eine völkisch- rassistische Gesellschaft, in der das Individuum seine Freiheit verliert, zwischen lebens- und unlebenswertem Dasein unterschieden wird, sowie von der nationalen Weltherrschaft geträumt wird. „Schweinfurt ist bunt“, das hat Frank Firsching deutlich gemacht, wird weiterhin am Thema arbeiten und den Rechtsradikalen in Schweinfurt mehr als Paroli bieten. Die nächste Veranstaltung das breite gesellschaftliche Bündnis für den 18. oder 19. April. Dann soll der ausgewiesene Experte der neonazistischen Szene Süddeutschlands Robert Andreasch in Schweinfurt aufklärerisch wirken. Eines zeigte die Debatte auch auf: der Glaube vieler hiesiger Konservativer in Schweinfurt gäbe es keine Nazis ist ebenso verkehrt, wie die gescheiterte Strategie des Wegschauens.
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