1. Halbjahr 2010
DGB Kreisverband Würzburg gegründet (10.03.10)
Würzburg. Die Mitglieder der Würzburger Gewerkschaften hoben am Mittwoch (10.03.2010) ihren neuen Kreisverband aus der Taufe. Im Mittelpunkt stand vor allen Dingen die Wahl des Vorstandes: Vorsitzender wurde Walter Feineis (GEW), Stellvertreter Werner Nawarotzky (IG-Metall). Ihren Vorsitzenden wählten die Teilnehmer ohne Gegenstimme.

Werner Nawarotzky setzte sich beim Stellvertreterposten in einer geheimen Abstimmung gegen Eckehard Beck (IG BAU) durch. Zur Schriftführerin wurde Agnes Schüllner (ver.di) gewählt. Ein einstimmiges Votum erhielten Eckhard Beck (IG BAU), Klaus Emser (ver.di) und Richard Brand (IG BAU). Sie sind Beisitzer im neuen Kreisvorstand. Dem Gremium gehören außerdem acht weitere Mitglieder an. Die werden von den Einzelgewerkschaften in Eigenregie in das Gremium entsandt.

DGB-Regionsvorsitzender Frank Firsching ging während seiner Begrüßungsrede zuerst auf formale Fragen ein. Der Kreisverband umfasse räumlich die Stadt- und den Landkreis Würzburg. Zur Mitarbeit seien alle in diesem Gebiet wohnenden oder arbeitenden Mitglieder aufgerufen. Aufgabe sei es, die Interessen der Beschäftigten zu bündeln: „Die gewerkschaftliche Interessenvertretung in kommunalpolitischen Frage entspricht traditionell den Kernaufgaben des DGB“, sagte Firsching und war über die Resonanz erfreut: „Es ist eine gute Sache, dass heute viele Kolleginnen und Kollegen da sind, um unseren neuen Würzburger Kreisverband zu gründen“.

Zum arbeitsfreien Sonntag sprach Klaus Köhler von der Betriebsseelsorge. In einem breiten Zusammenschluss wurde ein weiterer verkaufsoffener Sonntag in der Stadt verhindert. Der Redner nannte die Gründe für den Erfolg: In einer Allianz aus Gewerkschaften, kirchlichen Gruppen, Verbänden und politischen Akteuren sei es gelungen, den arbeitsfreien Sonntag in einen Gegensatz zur einseitigen städtischen Entwicklung auf Produktion und Kapital zu setzen. „Der freie Sonntag verschafft die notwendige Zeit zu Erholung, zur Begegnung und zur Lebensgestaltung. Die Mehrheit in Würzburg ist auf freie Sonn- und Feiertage angewiesen“, betonte Klaus Köhler.

In einem abschließenden Referat ging der neue DGB-Kreisvorsitzende Walter Feineis auf Themen in der Gewerkschaftsarbeit ein. Er sprach sich für einen soliden Dachverband der Gewerkschaften aus und warb für ein solidarisches Miteinander in der Gewerkschaftsbewegung. Kritik richtete er an Unternehmen, die Armutslöhne bezahlen. „Von seiner Arbeit muss jeder Beschäftigte gut leben können“, war seine Forderung. Einen Schwerpunkt sieht Walter Feineis in bildungspolitischen Fragen: „Nicht die finanziellen Verhältnisse sollen entscheidend sein, ob Kinder- und Jugendliche eine ordentliche Bildung erfahren“, sagte er. Gerade in Würzburg sei es notwendig, in engen Kontakt mit den Studierenden zu treten, er selbst werde dafür Sorge tragen, dass ein gutes Verhältnis entsteht.

Walter Feineis zitierte am Ende aus Einträgen des Würzburger Gewerkschaftsbuches, das 1932 vor den Nazis in Sicherheit gebracht wurde und 1946 wieder seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Die Nazis verschleppten noch 1944 fünfzehn Gewerkschafter aus der Stadt in das Konzentrationslager nach Dachau. Der Vorsitzende des damaligen Würzburger Gewerkschaftskartells, Franz Wirsching, kehrte nicht wieder zurück. Diese Männer seien Vorbilder, sagte der neue DGB Kreisvorsitzende. Er forderte dazu auf, die Erinnerung an die mutigen Männer der Würzburger Arbeiterbewegung stets wach zu halten.

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