1. Halbjahr 2010
Breite Unterstützung für Siemensianer in der Rhön (12.03.10)
Bad Neustadt. Die geballte Prominenz konnte DGB Regionsvorsitzender Frank Firsching zur Präsentation der Erstunterzeichner der DGB Unterschriftensammlung „Die Rhön steht auf!“ in Bad Neustadt begrüßen. 50 000 Unterschriften für den Erhalt der Arbeitsplätze am Bad Neustädter Siemens Standort wollen die Gewerkschaften bis zum 25. April sammeln. Dabei setzen IG Metall und DGB auf die breite gesellschaftliche Unterstützung ihrer Ziele.
Auszüge aus den Statements der Erstunterzeichner (sinngemäß zitiert):

Frank Firsching (DGB Regionsvorsitzender Schweinfurt- Würzburg):
„Unser großer Dank gilt den Erfindern des Slogans (Die Rhön steht auf!). Denn dieses Motto symbolisiert die Solidarität in der gesamten Region perfekt. Deshalb gilt mein Dank auch allen, die mit ihrer Teilnahme an der heutigen Presskonferenz die Unterstützung ihrer Partei, Kirche oder Organisation dokumentieren. Ich bin der absoluten Überzeigung, dass wir nur erfolgreich sein können, wenn wir gemeinsam agieren.“

Bernard Omert (Betriebsratsvorsitzender Siemens Bad Neustadt):
„Unser Ziel ist es die Arbeitsplätze in Bad Neustadt zu erhalten. Für uns, unsere Kinder, unsere Enkelkinder. Dabei sind wir bereit über unsere Produkte zu reden, über Innovation und Zukunftsfähigkeit. Entscheidend ist, dass in Bad Neustadt weiter produziert wird und die Arbeitsplätze für die Rhön erhalten bleiben. Irgendwelcher sozial verträglicher Abbau nützt uns gar nichts! Wir kämpfen für die ganze Region, die den Siemens Konzern nicht interessiert.“

Peter Kippes (2. Bevollmächtigter IG Metall Schweinfurt):
„Wir wehren uns dagegen, die Rhön in die Zeit vor der Industrialisierung zurück zu versetzen. Wie Regionen ohne Industrie aussehen ist in Teilen Ostdeutschlands zu besichtigen. Man könnte auch die älteren Rhöner fragen wie es denn war, bevor sich Industriebetriebe hier ansiedelten. Die Rhön braucht die Arbeitsplätze bei Siemens. Deshalb wird sich die IG Metall mit aller macht für den Arbeitsplatzerhalt einsetzen.“

Bruno Altrichter (Bürgermeister Bad Neustadt):
„Für uns war nicht vorstellbar, dass eine derartige Entscheidung bei Siemens gefällt wird. Sie ist auch nicht vermittelbar. Insofern sind wir von Siemens tief enttäuscht. Weil Regionen nicht aus Flüssen, Bergen und Landschaften bestehen, sondern aus den Menschen müssen wir alles daran setzen das ausbluten der Rhön zu verhindern.“

Lydia Vorndran (VdK Geschäftsführerin):
„Wir beobachten im täglichen Beratungsgeschäft eine steigende Anzahl von Hartz IV Beratungen gerade in der Rhön. Wenn die Siemens Pläne Wirklichkeit werden, sehen wir eine steigende Arbeitslosigkeit und eine steigende Langzeitarbeitslosigkeit auf uns zu kommen. Die Belegschaft bei Siemens in Bad Neustadt ist engagiert, kompetent und loyal. Es wird Zeit, dass das Unternehmen auch loyal zu seinen Mitarbeitern steht.“

Sabine Dittmar (MdL, SPD):
„Mich hat die Kaltschnäuzigkeit von Siemens überrascht. Jahrelang werden Fördergelder in einer ehemaligen Grenzregion eingesteckt. Nachdem sich ein Fördergefälle nach dem Mauerfall aufgetan hat wird die Rhön verlassen. Wir verlangen von der Firma Siemens Verantwortung für die Mitarbeiter und die Menschen in der Rhön zu übernehmen und den Arbeitsplatzabbau zurückzunehmen. Enttäuscht hat mich das Antwortschreiben von Ministerpräsident Seehofer, der lediglich von sozial verträglichem Abbau spricht. Das kann nicht unser Ziel sein!“

Dr. Bernd Weiß (MdL, CSU):
„Ich werde sehr genau hinsehen, um die Ernsthaftigkeit der politischen Bemühungen von allen Seiten zu gewährleisten. Die Politik ist für die Menschen da und muss dies an dieser Stelle nachweisen. Wir dürfen Siemens diese Pläne nicht durchgehen lassen. Es ist überaus wichtig, dass die Belegschaft und der Betriebsrat Verhandlungsbereitschaft und Veränderungsbereitschaft in der Produktpalette zeigen.“

Simone Tolle (MdL, Bündnis 90/ Die Grünen):
„Ich habe mir die Unternehmensleitlinien von Siemens angesehen. Darin verlangt Siemens moralisches handeln von sich selbst. Ich verlange dieses moralische handeln von Siemens im Fall Bad Neustadt. Was man selbst in die Welt selbst muss man auch beachten!“

Herr Schümann (stellv. Ev. Dekan):
„Wir beobachten in der Kirche schon heute einen Rückgang von Kindergartenkindern und Schulkindern. Das bedeutet weniger Arbeitsplätze in diesen Einrichtungen. Verwirklicht Siemens diese Pläne ist eine weitere Bevölkerungsabwanderung zu erwarten. Das müssen wir verhindern. Darüber hinaus beginnt in den Kirchen eine Diskussion über den Aktienkapitalismus, die wir auch führen müssen. Nicht das Geld, sondern der Mensch muss im Mittelpunkt stehen.“

Gudrun Scheuplein (DGB Kreisvorsitzende Rhön- Grabfeld):
„Unsere Aufgabe als DGB ist es Solidarität in Bündnissen zu organisieren. Ich freue mich deshalb sehr, dass dies hier in der Rhön so gut gelungen ist. Jetzt fehlt uns nur noch der Erfolg, den wir gemeinsam wollen.“

Bernhold Rauch (kath. Dekan):
„Wir sehen die Entwicklung von Anfang an mit großer Sorge. Deshalb begleiten wir die Proteste der Menschen mit Gottesdiensten und anderen Aktionen. Siemens muss in die Verantwortung genommen werden, damit der Mensch vor dem Kapital kommt.“

Werner Schmitt (IG Metall Vertrauenskörperleiter bei Siemens):
„Im Namen aller Siemensianer danke ich für die breite Unterstützung. Das tut gut. Als der DGB die Unterschriftenaktion übers Internet gestartet hatte und noch keine gedruckten Listen vorlagen, landeten schon die ersten unterschrieben Listen am nächsten morgen auf meinem Schreibtisch. Inzwischen haben wir über die Belegschaft 7400 Unterschriften gesammelt. Ich hoffe sehr wir schaffen unser Ziel von 50 000 Unterschriften und den Erahlt der Arbeitsplätze!“

Die zuständigen MdB´s Klaus Ernst (DIE LINKE), Susanne Kastner (SPD), Dorothee Bär (CSU), Hans Josef Fell (Bündnis 90/ Die Grünen) und Landrat Habermann haben ebenfalls unterschrieben, waren am Pressetermin aber leider verhindert.


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