1. Halbjahr 2010
Fantastische Jugendaktion in Bad Neustadt (18.03.10)
Eine fantastische Jugendaktion hatten IG Metall Jugend und die Schülervertretungen in Bad Neustadt durchgeführt. Am Donnerstagmittag (18. März) zogen sie aus ihren jeweiligen Schulen und aus der Lehrwerkstatt von Siemens in einem Sternmarsch zum Marktplatz von Bad Neustadt. Anlass war die Ankündigung des Siemens-Vorstandes, 840 Beschäftigte auf die Straße zu setzen. Auf dem Marktplatz gab es eine Kundgebung mit vielen witzigen Aktionen.
 
Die Entlassungen wären das Aus für die Region. „Selbst wenn wir es wollten, wir könnten gar nicht in Bad Neustadt bleiben, weil wir ohne Arbeit keine Zukunft haben“, sagte Lukas vom Rhön-Gymnasium in Bad Neustadt. Etwa 500 Schüler, Berufsschüler und Auszubildende waren gekommen, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen.

Vor gut vier Wochen hatte hier schon einmal eine Kundgebung stattgefunden. Fast 10.000 Menschen aus Bad Neustadt und Umgebung waren gekommen, um gemeinsam gegen die Entlassungen zu protestieren. Diesmal waren es ausnahmslos junge Menschen. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass der Jobabbau eben nicht nur die 840 trifft, die auf die Straße gesetzt werden, sondern eine Kettenreaktion auslöst, von der mindestens 4.000 Menschen in der Region betroffen sein werden“, sagte Ann-Kathrin von der Jugendvertretung bei Siemens mit einem Verweis auf die Familien der Betroffenen und die schlechten Chancen für die Jugend.

Und tatsächlich, für junge Menschen bietet sich dann so gut wie keine Perspektive mehr in Bad Neustadt. Wenn die Region industriell ausdünnt, wandern die Jungen ab und zurück bleiben nur die Alten. Dazu kommt, dass Personalabbau immer zuerst die Jungen betrifft. Weil sie in der Regel noch keine Familie haben und weil man ihnen aufgrund ihres Alters eine neue Chance auf dem Arbeitsmarkt zutraut.

Dass es mittlerweile so einfach nicht mehr ist, muss eigentlich nicht erwähnt werden. Jugendarbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse sind die Eckpfeiler die das Arbeitsleben vieler junger Menschen nach der Ausbildung markieren. Und genau darauf hat die Jugendaktion aufmerksam gemacht. Fast 200 bunt bemalte und mit klaren politischen Botschaften versehene Umzugskartons hatten die Schüler mit auf den Marktplatz gebracht und zu einer langen Wand – man möchte fast Klagemauer sagen – aufgebaut. Eine pfiffige Idee, um die Dramatik der Situation zu unterstreichen.

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