2. Halbjahr 2010
Klaus Ernst von der IG Metall verabschiedet (20.07.10)
Schweinfurt (15.07.2010) - Parteivorsitzender der Linken ist er nun, weshalb Klaus Ernst nach 15 Jahren sein Mandat als 1. Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt aufgrund seiner bundespolitischen Aktivitäten und dem damit verbundenen Zeitmangel niederlagen musste.

Offiziell verabschiedet wurde der 56-jährige, gebürtige Münchner am Mittwochabend im Gebäude des Ruderclubs Schweinfurt. Neben diversen Metallern und anderen Gästen aus dem gesellschaftlichen Leben und der Wirtschaft kam mit dem amtierenden Bürgermeister Otto Wirth auch Schweinfurts Ex-OB Gudrun Grieser. Und sie hielt sogar entgegen ihrer Absichten eine launige Rede.

Den Hut ziehe sie vor der Leistung Ernsts, der mit 100 Prozent Einsatz und Engagement geholfen habe, den Industriestandort Schweinfurt zu verteidigen, Arbeitsplätze zu sichern. Polarisiert habe Ernst in seiner Amtszeit, sei oft auch aggressiv gewesen in seinem Aufrteten. "Er hat eine große Klappe, ist aber auch volksnah. Als schwarze OB hatte ich immer große Hochachtung vor der Gewerkschaft", so Grieser. Das erste Kennenlernen fand unter kuriosen Umständen statt. Mitte der 90er Jahre mussten die Griesers wegen Umbauarbeiten in ihrem Haus kurzzeitig ins Hotel ziehen. Ausgerechnet dort, wo sich auch Klaus Ernst zu Beginn seiner Amtszeit einquartiert hatte. So traf man erstmals aufeinander. Später hörte Grieser dann immer wieder von Zeitungsenten: Klaus Ernst besäße ein Chalet in der Schweiz, kam ihr zu Ohren. "Ich habe das dann auch weitererzählt", so Grieser lachend.

Genauso spaßig war die Rede von Peter Kippes, dem Nachfolger von Klaus Ernst als Metaller-Bevollmächtigter. "Wie Willi Wichtig" kam er ihm vor bei der ersten Begegnung, als Klaus Ernst eine Lederjacke trug. Später hörte auch Kippes "Legenden um ihn wabern": Eine eigene Alm besäße Ernst bei Kitzbühel. Soll aber nicht stimmen. Wohl aber fährt der Linke einen Porsche, "aber keinen Oldtimer, sondern einen relativ neuen". Konsequenzen für die Schweinfurter Spitzengastronomie werde sein Amtsaus haben, weil es die vielen Geschäftsessen nicht mehr gibt. In der IG Metall-Geschäftsstelle müsse man künftig auch auf die neuesten Infos verzichten, "welcher Prominente neben Dir am Wochenende in Kitzbühel in der Sauna saß. Eine Schnapsidee" von Ernst sei es einst gewesen, gleich nach dem Ausscheiden aus der SPD Oskar Lafontaine nach Schweinfurt zu holen. "Der hat dann aber das Naturfreundehaus gerockt und möglicher Weise genau an diesem Abend wieder Lust bekommen auf die größeren Bühnen." Was daraus dann wurde, ist hinlänglich bekannt.

Doch Peter Kippes konnte auch ernst: "Du hast die Solidarität kultiviert, das ist eine der größten Leistungen", nannte Kippes Klaus Ernst einen "begnadeten Menschenzusammenbringer. Kein Spalter" sei er, wie immer behauptet wird. "Deine Spuren, die Du hinterlässt, sind dauerhaft." Große Veränderungen in Sachen Strategie will Kippes daher nicht vornehmen. CSU-Bürgermeister Otto Wirth weiß: "Klaus Ernst hat für die Industriestadt Schweinfurt , für die Gewerkschaft und die IG Metall viel geleistet. Ich schätze ihn sehr, auch wenn ich parteipolitisch oft anderer Meinung bin."

Und der Verabschiedete selbst? Auf "grandiose Erlebnisse" blickte der zurück, vor allem auf die Solidarität der Arbeitnehmer in der gesamten Region Main-Rhön, die sich immer wieder auch für andere Unternehmen einsetzen würden. Der Mitgliederstand der IG Metall habe zurzeit seinen Höhepunkt erreicht, "und wir haben keine Leichen im Keller". Nachfolger Kippes könne diesen erfolgreichen Kurs fortsetzen. "Ich selbst bleibe aber immer Metaller, egal welchen Job ich mache." Arbeitnehmer und Rentner liegen dem Politiker Klaus Ernst besonders am Herzen. Und Berlin sei nur seine Arbeitsstadt, die Gegend um Schweinfurt bleibe aber seine Heimat, "weil ich mich hier wohl fühle und viele Freunde habe. Es ist nur ein Abschnitt zu Ende, das ist kein Abschied von der Region", so Ernst.

In Arnstein will Klaus Ernst jedoch seinen Wohnsitz behalten, der Region Mainfranken treu bleiben. Und schon am 21. Juli, kommenden Mittwoch also, kommt er schon wieder nach Schweinfurt. Um 19 Uhr findet dann im neuen DGB-Haus Am Zeughaus 9 - 13 eine Veranstaltung mit Katrin Lompscher, der Berliner Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz (Die Linke) statt - und mit Klaus Ernst, dem Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzenden der Linken. Thema sind die Chancen und Grenzen einer Regierungsbeteiligung der Linken. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich willkommen.

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