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Ver.di Ortsverein führte Unterschriftenstand durch (21.07.10)

Haßfurt.  Auf Initiative des ver.di Ortsvereins Haßberge fand am Samstag, den 17. Juli ein Unterschriftenstand gegen den sozialen Kahlschlag und für mehr “soziale Gerechtigkeit” in Haßfurt statt, der von IG Metall und dem DGB Kreisverband Haßberge tatkräftig unterstützt wurde.

Die Gewerkschaften mobilisierten hiermit gegen das jüngste Sparpaket der Bundesregierung, dass einen Umfang von knapp 81 Milliarden Euro umfasst und bei dem allein über 30 Milliarden Euro im sozialen Bereich eingespart werden sollen.

Hauptthemen waren zum Beispiel die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, Reduktion der Leiharbeit und eine Verbesserung von Arbeitnehmer-Bedingungen hierbei, ferner die Ablehnung zur Einführung einer Zwei-Klassen-Medizin durch höhere Zuzahlungen oder Streichung von Kassenleistungen, des Weiteren die finanzielle Not der Kommunen und die Vermögenssteuer.

Jugendliche brachten schon mal ihre Zukunftsbefürchtungen zum Ausdruck und sprachen von “ .. wahrscheinlich bekommen wir mal `ne Grundrente, so hoch wie die Hartz IV-Bezüge heute sind!” oder, “… wir sollen fürs Alter privat versorgen. Wie viel man später bekommt, weiß keiner!” Ein politisch interessierter 20 jähriger, machte gleich beim Stichwort “Sparpaket der Bundesregierung” klar, dass er nicht grundsätzlich und in jedem Punkt gegen das Sparpaket sei und deshalb nicht unterzeichnen werde. Er war aber trotz kritischer Haltung dennoch bereit die gewerkschaftlichen Gegenargumente zu diskutieren und hat letztlich diesen mehrheitlich zugestimmt und gerne seine Unterschrift abgegeben.

Eine gehbehinderte ältere Dame merkte an, dass sie als chronisch Kranke vieles zuzahlen müsse, aber sie hätte noch eine “gute Rente”. “Aber die Armen können sich das doch jetzt schon nicht mehr leisten!”, warf sie an. Eine Sauerei sei es den HARTZ IV-Leuten das Elterngeld zu streichen, “.. die können doch kaum überleben! Wie sollen diese Leute denn ihre Babyausstattungen bezahlen? Kinder sind teuer ..!”, lautete ihr Schlußsatz. Ein etwa 50 jähriger Schlosser erzählte, dass sein Betrieb ins Ausland verlagert wird und er sich ausrechnen kann wann er ALG II bekommt. “Dann kann ich mich auch stundenlang bei der Tafel anstellen, bei Wind und Wetter. In dem Miniladen kann ja nur immer einer rein. In Hartz IV zahlen sie zukünftig dann nicht mal mehr die Mini-Rentenbeiträge für einem…. Nee, tolle Aussichten sind das nach 35 Jahren Gebuckel auf der Arbeit.”

Wiederholt brachten Frauen von sich aus den Namen einer großen Drogeriekette ins Spiel. Diese wollte tausende Mitarbeiter, - fast ausschließlich Frauen -, entlassen , um sie dann über eine Zeitarbeitsfirma und zu etwa halben Lohn wieder einzustellen. “Bei denen kauf` ich nix mehr!”, ließen sie einem wissen und weiter “ ..ein gesetzlicher Mindestlohn muss endlich her. Es kann nicht sein das wir Steuerzahler die Gewinne der Unternehmer subventionieren, da die Beschäftigten aufstockende Leistung vom Amt benötigen!”                                                                                                              

Insgesamt wurde der Unterschriftenstand von allen Bevölkerungsschichten und Altersklassen sehr gut frequentiert und selbst mit Unternehmern und Inhabern von Handwerksbetrieben kam man ins Gespräch. Letzteren waren die positiven Zusammenhänge von Mindestlöhnen und Kaufkraft freilich bestens bekannt und natürlich auch die Zusammenhänge von Dumpinglöhnen in der Leiharbeit; denn schließlich werden sie bei Ausschreibungen damit erheblich unter Druck gesetzt. Obwohl man die gleiche Sprache sprach und man merkte, sie würden im Prinzip gerne unterzeichnen, kam es nicht zum Gang an den Unterzeichnungstisch - man hatte scheinbar die Sorge dabei erkannt zu werden. Anders war es bei Familien, oder Personen mit Kindern, die teils zielgerichtet den Info-Standstand ansteuerten , weil ihnen vollkommen klar war, welche Auswirkungen die politischen Entscheidungen für sie selbst, aber auch für die Zukunft ihrer Kinder haben können. Die gleiche Sorge brachten auch wiederholt Rentner zum Ausdruck und man konnte erfahren, dass in vielen Familien Erfahrungen mit Niedriglöhnen, Zeitarbeit , - durchaus im Anschluss von ALG II -Bezug - gemacht wurden. Zeitarbeiter sprachen über ihre praktischen Erfahrungen. Ein Vater berichtete, dass sein Sohn vor ein paar Jahren in der Nähe bei einem Logistikunternehmen (Landkreis Schweinfurt) beschäftigt war. Der Sohn hatte keine Möglichkeit die Stelle abzulehnen, sonst wäre ihm das Arbeitslosengeld gestrichen worden und musste zum Osttarif von 5,80 Euro die Stunde arbeiten gehen, da die Zeitarbeitsfirma “zufällig” in Ostdeutschland ansässig war. Von der Politik halte er nichts mehr und dieses war auch von vielen anderen Passanten ähnlich zu vernehmen. Auch im Landkreis Haßberge findet man keineswegs ein “Paradies der Glückseligen” vor.

Am Schluss waren 150 Unterschriften in zwei Stunden zusammengekommen. Der Vorsitzende des DGB Kreisverbands Haßberge Reiner Greich zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis der Aktion, ebenso Anton König, der schmunzelnd meinte, “ Das habe ich mir quasi als Abschiedsgeschenk als Vorsitzender des Ortsvereins gewünscht. Aber so eine Resonanz!, … und das deutlich über dreiviertel der Angesprochenen unterzeichnet haben, das hätte ich nicht erwartet! Das macht Mut und ist ein klares Signal, die Aktionen vor Ort zu verstärken!”

Für die gute Unterstützung bedankte sich König bei den Helfern von IG Metall, DGB, sowie bei den mithelfenden Vorstandsmitgliedern des Ortsvereins Ines Buschkamp und Ilse Scholz.

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