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Initiative Sozialpass Schweinfurt startet „Aktion 50%“ (22.07.10)
Schweinfurt. Auf einer Presskonferenz stellten VertreterInnen der initiative Sozialpass Schweinfurt ihre „Aktion 50%“ vor und zogen eine Zwischenbilanz der bisherigen Arbeit.
  
Thomas Lindörfer, Kreisgeschäftsführer des Bayrischen Roten Kreuzes, zur „Aktion 50%- mitmachen beim Sozialpass“: „Wir rufen Sportvereine, Kinos, private Anbieter auf, Menschen mit dem Sozialausweis oder nachgewiesenen geringem Einkommen 50% Ermäßigung für Eintritte, Mitgliedschaften oder Veranstaltungen zu geben. Damit helfen Sie armen Menschen, mehr Freude am Leben durch größere gesellschaftliche Teilhabechancen zu haben. Ein lohnendes Ziel, das gleichzeitig Ihr Image steigert.“
Lindörfer rief in Namen der Initiative auf, bei Interesse sich bei der Caritas Geschäftsstelle in Schweinfurt, Deutschhöfer Str. 7, Tel. SW- 7158-0 zu melden. Dort werden die Mitmacher gelistet und im Spätherbst öffentlich vorgestellt. Diakonie Vorstand Jochen Keßler- Rosa unterstrich den Aufruf, indem er die Armutsbekämpfung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe nannte, die nur gemeinsam zu bewältigen sei.
 
Blick zurück
 
„Vor gut einem Jahr hat sich unsere Initiative gegründet und das Thema Armut nachdrücklich verankert“, sagte Caritas- Vertreterin Christine Steinmüller. Sie umriss das ursprüngliche Ziel einen Sozialpass für alle von Armut Betroffenen in Stadt- und Landkreis Schweinfurt mit einer Ermäßigungsquote von 50% einzuführen. Im Blick der Initiative: ÖPNV, Sport-, Kultur- und Bildungsangebote. Steinmüller bezeichnete als „klaren Erfolg“, dass die Stadt Schweinfurt den, in Vergessenheit geratenen, Sozialausweis wieder einführte. „Dieser wird beispielsweise wieder grundsätzlich an Hartz IV- Bezieher ausgegeben, die damit verschiedene Vergünstigungen in Theater, Museen oder in der Musikschule erhalten.“, sagte Petra Langer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband.
 
Armutszeugnis für den Landkreis
 
Die Zwischenbilanz von DGB Regionsvorsitzenden Frank Firsching fiel durchaus zwiespältig aus. Als wunderbares Beispiel für eine gelungene Bündnisarbeit bezeichnete der Gewerkschafter die „Initiative Sozialpass Schweinfurt“. Ihr sei es zu verdanken, dass das Thema im letzten Jahr in Stadt und Landkreis breit diskutiert wurde- „ein Wert an sich“, wie sich Firsching ausdrückte. Darüber hinaus habe die Recherchearbeit von Frau Steinmüller den, von der Stadtverwaltung vergessenen, Sozialausweis wieder zum Leben erweckt. Enttäuscht zeigte sich der DGB Chef über die Weigerung der Stadtwerke Schweinfurt die ÖPNV- Preise für Arme deutlich zu reduzieren, kündigte gleichzeitig an, diesen Punkt als Stadtrat weiter zu verfolgen. Kräftig Schelte hatte Firsching für den Landkreis Schweinfurt übrig, dessen Kreistag sich vor kurzem für „nicht zuständig“ erklärte und den Sozialpass abgelehnt hat: „Sich für nicht zuständig zu erklären ist ein Armutszeugnis für den Landkreis. Es gleicht einer Kapitulation vor dem Problem. Dabei ist für jedermann klar, dass Nichtbefassung niemals ein Problem lösen wird.“
Jochen Kessler- Rosa sieht durchaus Zuständigkeiten beim Landkreis und appellierte das Thema nicht zuerst unter finanziellen Gesichtspunkten zu sehen, sondern konzeptionell an die Sache heranzugehen. In diesem Sinn hat die Initiative durchaus noch Hoffnungen auf weitere Gespräche und Lösungsversuche. Über eines ist sich die Initiative weiterhin sicher: Die Einführung des Sozialpasses in seiner „Ursprungsform“ wäre eine richtige, kommunale Antwort auf die wachsende Kluft zwischen arm und reich.
 
Beispiel Oldenburg
 
Gemäß dem Motto „Runter vom Sofa- hinein in das städtischen Leben“ führte die Stadt Oldenburg den gleichnamigen Sozialpass für einkommensschwache Bevölkerungsschichten ein. Durch teilweise erhebliche Rabatte (bis 100%) wurde so der Zugang zu vielen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder hergestellt. Klaus Wanka, Vorsitzender der Schweinfurter Tafel, hat dieses Beispiel aus seinem Urlaub im Norden mitgebracht- und interessante Zahlen dazu: „Im Gegensatz zu den Befürchtungen der Stadt Schweinfurt zeigt das Beispiel Oldenburg, dass sich die Belastungen für den Stadthaushalt in engen Grenzen halten.“ Laut Wanka nutzen etwa 20% der Bezugsberechtigten den Oldenburg- Pass und verursachen Kosten in Höhe von etwa 50 000 Euro/ Jahr. Da Oldenburg dreimal so viele Einwohner hat wie Schweinfurt, schlussfolgert der Tafel- Vorsitzende eine Haushaltsgröße von 15 000 bis maximal 20 000 Euro für die Stadt Schweinfurt, würde man dem Oldenburger Beispiel folgen.
 
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