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Zeitgewinn für Dressler-Personal (26.07.2010)
Werk schließt erst im September 2011 - Tranfergesellschaft soll Beschäftigte auffangen

Stadtlauringen: Die Erleichterung war mit Händen zu greifen: Äußerst zufrieden zeigte sich am Freitag morgen eine Gruppe der Beschäftigten vor dem Tor der Bekleidungsfabrik Dressler. Denn das Werk wird nicht, wie von der Geschäftsführung ursprünglich geplant, Ende Oktober schließen, sondern die Produktion endet erst am 30. September 2011. Applaus gab es daher für den Betriebsratsvorsitzenden Tino Krausslach und Thomas Höhn von der IG Metall, die den Kompromiss ausgehandelt haben.

Damit haben die 83 zumeist weiblichen Mitarbeiter, von denen die Mehrheit in Vollzeit arbeitet, zunächst einmal Zeit gewonnen. Wenn das Werk im nächsten Jahr stillgelegt wird, können sie sich bis dahin nach neuen Jobs umschauen oder dann in eine Transfergesellschaft wechseln, die ihnen 80 Prozent ihres Nettogehalts zahlt. Somit droht die Arbeitslosigkeit frühestens Ende August 2012. Wie Höhn gegenüber dieser Zeitung sagte, diene der Zeitgewinn auch dazu, einigen Mitarbeiterinnen den nahtlosen Übergang in die Rente zu ermöglichen.

Das Verhandlungsergebnis sei nach „hartem Kampf“ errungen worden, so Höhn, der es als Erfolg wertet, da das Ziel, die Arbeitslosigkeit möglichst zu verhindern, für 22 Monate erreicht worden sei. Er gibt zudem die Hoffnung nicht auf, dass sich in dieser Zeit noch ein Investor findet, der am Standort Stadtlauringen weitermacht. Die Geschäftsführung des zum Brinkmann-Konzern gehörenden Unternehmens hatte die Schließung mit hohen Personalkosten und Umsatzrückgang begründet. Später hieß es, man wolle die Marke Dressler erhalten und in der Türkei weiterproduzieren.

Neben einer Abfindungsregelung haben Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaft mit dem Unternehmen die Gründung einer Transfergesellschaft vereinbart, die nach Produktionsende die Beschäftigten für elf Monate aufnehmen soll. Laut Höhn will man dort Qualifizierungsmaßnahmen und Bewerbungstrainings anbieten, um für viele der Frauen, die fast ausschließlich aus der nahen Umgebung kommen, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen: „2012 sieht es dort vielleicht wieder besser aus.“ Dass dies im strukturschwachen Norden des Landkreises Schweinfurt schwer wird, weiß auch Bürgermeister Friedel Heckenlauer, der am Freitag, die Beschäftigten besuchte. Er hofft, dass das Unternehmen Alternativen für das Werksgelände findet, die auch der Gemeinde weiterhelfen: „Es muss die Immobilie schließlich verwerten.“ Heckenlauer geht davon aus, dass der Standort genug Faktoren aufweise für einen Investor, der möglicherweise nicht so sehr auf die Nähe zur Autobahn angewiesen ist. Dressler war einst mit über 450 Beschäftigten der größte private Arbeitgeber im Landkreis.

Letztlich aber sieht Heckenlauer Bundes- und Landespolitik in der Pflicht: Wenn sie es ernst meinten mit der Unterstützung des ländlichen Raums, müsse sich das auch finanziell niederschlagen. Heckenlauer ist auch Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags.

Nach dem Pressetermin erläuterten Krausslach und Höhn in einer Betriebsversammlung den Mitarbeitern die Details der Vereinbarung, bevor die Arbeit bei Dressler erstmal ruht: Am Montag beginnen die dreiwöchigen Betriebsferien.

Bericht und Bild: Mainpost, Redaktionsmitglied  Josef Schäfer

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