Begrüßung von Frank Firsching - DGB- Kundgebung Schweinfurt 1.Mai 2008
-es gilt das gesprochene Wort-
Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren, im Namen der Schweinfurter Gewerkschaften darf ich Sie alle auf das herzlichste bei unserer Maikundgebung 2008 hier vor dem DGB- Haus begrüßen. Zu aller erst sind damit alle Gewerkschaftsmitglieder gemeint, die aus ihrem Selbstverständnis heraus die DGB Maikundgebungen besuchen.
ZurückIch begrüße weiterhin alle gewerkschaftlichen Vertrauensleute, die das Rückrat jeder Gewerkschaft darstellen, weil es ohne sie unmöglich wäre erfolgreiche Tarifpolitik zu betreiben. Ebenso heiße ich alle Betriebs- und Personalräte willkommen, die in den Verwaltungen und Unternehmen täglich dafür sorgen, dass die Beschäftigten anständig behandelt werden, ihr Lohn pünktlich auf dem Konto ist und eine Betriebspolitik betreiben, die Arbeitsplatzsicherheit und faire Arbeitbedingungen miteinander verknüpft. Ich begrüße alle hauptamtlich Beschäftigten der freien Gewerkschaften im DGB, ohne die es ebenfalls unmöglich wäre, Arbeitnehmern im Betrieb zu guter Arbeit zu verhelfen. Euch allen möchte ich im Namen von etwa 37 000 Gewerkschaftsmitgliedern der Region Schweinfurt Dank sagen, Dank für eine erfolgreiche Tarifpolitik im letzten Jahr, die seit langer Zeit endlich zu spürbaren Lohnzuwächsen in einigen Branchen führte. Dank auch für den Einsatz im Betrieb für jedes Mitglied, für alle Beschäftigten. Ich bin überzeugt wir können stolz auf unsere Arbeit sein. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ganz herzlich begrüße namentlich, unseren Hauptredner Günther Schachner, IGM 1.BeVo Weilheim, bis 11/2007 Mitglied im Hauptvorstand der IG Metall OB Gudrun Grieser, MdB Frank Hofmann, sowie alle anwesenden Stadt- Kreis- und Gemeinderäte – schön, dass Sie da sind, und herzlichen Glückwunsch zu ihrer Wahl, denn ihre Amtsperiode beginnt heute, viel Erfolg dabei. Liebe Freunde, gestern fand in Schweinfurt schon eine Maikundgebung statt. Nämlich die der christlichen Gewerkschaften. In Mangelung eigener geeigneter Redner und Rednerinnen, sprechen dort jedes Jahr Politiker der CSU. Gestern sollte es deren Generalsekretärin Frau Christine Haderthauer sein. Sie kam aber nicht- sie soll im Stau stecken geblieben sein. Ich denke ich kann ohne Umschweife feststellen: Schweinfurt hat diese Absage gut verkraftet. Bleiben wir dennoch bei Frau Haderthauer. Sie ist eine ausgewiesene Gegnerin von Mindestlöhnen, folglich eine Befürworterin vom Armuts- und Niedriglöhnen. Mit dieser Position ist sie bei den so selbstgetauften christlichen Gewerkschaften an der richtigen Adresse. Besteht doch die Aufgabe dieser sogenannten Gewerkschaften gerade darin Gefälligkeitstarifverträge für Arbeitgeberverbände zu unterschreiben. Die zu nichts anderem dienen als unsere Tarife zu unterlaufen, um somit Armuts- und Niedriglöhne zu zementieren. Das ist das Gegenteil von Gewerkschaftsarbeit, das ist Handlangertum für Lohndumping. Zurück zu Generalsekretärin Haderthauer. Die ständige Präsenz von CSU- Maireferenten bei CGB- Maifeiern zeigt nicht nur das größtmögliche rhetorisch schwarze Loch innerhalb der CGB´s, sie beweist auch, dass die christlichen Gewerkschaften weniger Einheitsgewerkschaft sind, als Wurmfortsatz der CSU und somit als Richtungsgewerkschaft anzusehen sind. Als Vorsitzender der überparteilichen Schweinfurter Einheitsgewerkschaften DGB begrüße ich unter uns Die Vorsitzende der Schweinfurter SPD, Kathi Petersen für die CSU, Stadträtin Srya Lippert, die Vorsitzende der Schweinfurter Linken, Carmen Starost und Stadtrat Marc- Dominik Boberg für die Grünen In unserer Runde begrüße ich auch einige Aktivisten aus der Sparkasse Bad Kissingen. Sie sammeln Unterschriften für die Mitbestimmung von ArbeitnehmervertreterInnen der Sparkassen und der bayrischen Landesbank in den Verwaltungsräten. Ich denke auch diese Aktion ist unterstützenswert, damit die bayrischen Sparkassenbeschäftigten gegenüber ihren Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Bundesländern nicht länger benachteiligt werden. Ein willkommen auch an die IG Metall- Jugend, die heute eine Aktion für mehr Bildungsgerechtigkeit durchführt. An dieser Stellen allen Kolleginnen und Kollegen ein herzliches willkommen die mit ihren Ständen und Aktivitäten unsere Maifeier zu etwas besonderem machen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, im absoluten Gegensatz zu den christlichen Gewerkschaften sind für uns gesetzliche und tarifliche Mindestlöhne ein elementarer Unterschied zwischen sozialer Marktwirtschaft und einem Kapitalismus der die Menschenwürde mit Füßen tritt. Deshalb startet der DGB Bayern heute, am Tag der Arbeit, das Volksbegehren für einen bayerischen Mindestlohn. Wir wollen, dass die bayrischen Bürgerinnen und Bürger über einen bayrischen Mindestlohn abstimmen können- und wir werden alles daran setzen, dass dieses Volksbegehren ein Erfolg wird. Ich bitte alle darum an unserem DGB- Stand für dieses Volksbegehren zu unterschreiben. Für die Einreichung sind mindestens 25000 Unterschriften nötig- diese wollen wir heute schon erreichen, um in den nächsten Wochen hunderttausende weiterer Unterschriften zu sammeln, um den notwendigen politischen Druck zu entfalten- auch im Hinblick auf die Landtagswahl im September und die Bundestagswahl 2009. Insbesondere den bayrischen Niedriglohnideologen um Frau Haderthauer sei gesagt, dass der bayrische Mindestlohn seinen Platz in der bayrischen Verfassung inne hat. Im Artikel 169 heißt es unter der Überschrift „Mindestlöhne, Tarifverträge“ wörtlich: „Für jeden Berufszweig können Mindestlöhne festgesetzt werden, die dem Arbeitnehmer eine dem jeweiligen kulturellen Verhältnissen entsprechende Mindestlebenshaltung für sich und seine Familie ermöglichen.“ Nichts weiter fordern wir ein- wir wollen nur die Umsetzung der bayrischen Verfassung. Herr Beckstein, Herr Huber, Frau Haderthauer- auf diese Verfassung haben Sie ihren Amtseid geleistet! Wir wollen dafür sorgen, dass Sie an diesem Eid gemessen werden! Liebe Kolleginnen und Kollegen, ihr könnt mir glauben, es war keine leichte Entscheidung für den DGB- Regionsvorstand und den IG Metall Ortsvorstand aus dem afz e.V. auszutreten, schließlich haben wir diesen Verein vor 23 Jahren gegründet. Wir haben lange diskutiert, wir haben alle Seiten gehört, und weil wir uns unserer Verantwortung bewusst sind, haben wir nicht sofort hingeschmissen als wir merkten- der Zug afz fährt immer schneller in die falsche Richtung. Leider sind unsere Vorstellungen an den Mehrheitsverhältnissen im Vorstand gescheitert. Wir können nicht gegen Lohndumping durch Leiharbeit sein und gleichzeitig Mitglied in einem Verein bleiben, der mit 300 Leiharbeitern sein Geld verdient und dessen Vorstand damit kein Problem hat. Wir können nicht für den Mindestlohn sein und Mitglied in einem Verein bleiben, der über eine GmbH Leute zu Niedrigstlöhnen beschäftigt und dessen Vorstand den Mindestlohn im afz ablehnt. Wir können nicht das Hohelied der Tarifverträge singen und in einem Verein bleiben, der Tarifbeschäftigte abbaut und durch eigene Leiharbeiter ersetzt und dessen Vorstand dabei seinem Geschäftsführer den Rücken stärkt. … und wer das nicht kapiert, hat von Gewerkschaftsarbeit nichts verstanden! An dieser Stelle begrüße ich meine Gewerkschaftskollegen, für verdi, den Bezirksvorsitzenden Michael Dörfer, für die IG Metall, 2. BeVo Peter Kippes, für die IG BAU, Bezirkschef Hans Willacker, für die Gewerkschaft der Polizei, Kollegin Li Langen. Sie alle streiten auch weiterhin für das freie Wochenende. Obwohl wir wissen, dass immer mehr Beschäftigte, gleich in welcher Branche, am Wochenende, teilweise auch am Sonntag arbeiten müssen- wollen wir diesen Tag für die Familie erhalten! Der DGB und seine Gewerkschaften haben sich aus diesen Gründen der regionalen „Allianz für den freien Sonntag“ angeschlossen. Dieses Bündnis wurde initiiert vom kirchlichen Dienst der Arbeitswelt und besteht vorwiegend aus kirchlichen und gewerkschaftlichen Organisationen. Für unsere Bündnispartner begrüße ich herzlich Evi Pohl, Sozialsekretärin des KDA, Betriebsseelsorger Peter Hartlaub Alle Verbündeten der kleinen afa und der KAB Und Pfarrer Manfred Herbert, der im Anschluss an das Hauptreferat ein Grußwort zu uns sprechen wird. Denn heute ist auch Christi Himmelfahrt- und damit auch Vatertag. Eine Konstellation, die nur alle 81 Jahre eintritt. Somit gilt mein Glückwunsch und Gruß auch allen Vätern unter uns, die heute hier ihren Vatertag feiern. Und lasst mich anfügen. Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter mehret euch, damit wir stark bleiben um erfolgreich für eine freie, gleiche und gerechte Gesellschaft streiten zu können. Das muss nicht durch genetische Fortpflanzung geschehen. Bei uns funktioniert die Vermehrung auch per Unterschrift auf einem Beitrittsformular. Das geht schneller, schmerzt nicht und Spaß kann es auch machen. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, zur Sondersituation des Zusammenfallens der Feiertage Christi Himmelfahrt und 01.Mai kommt der 75. Jahrestag der Zerschlagung der freien Gewerkschaftsbewegung in Deutschland. Am 02. Mai 1933 wurde auch das Schweinfurter Gewerkschaftshaus in der Luitpoldstraße 20 von den Nazis aus SA und SS überfallen, besetzt, durchsucht, teilweise verwüstet und das Eigentum der Mitglieder geraubt. Die mühsam zusammengesparten Gelder für andere Zwecke missbraucht. Schon zwei Monate zuvor, am 09. März 1933 kam der erste Schlag. Die Schweinfurter Gewerkschaftsbüros wurden durchsucht, Akten und Material beschlagnahmt. Betriebsräte wurden an ihren Arbeitplätzen abgeführt, gleichzeitig SPD- und KPD Funktionäre verhaftet. Viele von ihnen kamen nicht mehr zurück. Sie wurden eingesperrt, gefoltert, ermordet. In Gefängnissen oder später in Konzentrationslagern. Ich weiß, dass sich die Nazi- Opfer aus Gewerkschaften und ihrem Umfeld immer für die Gewerkschaftsideale einer freien, gleichen und gerechten Gesellschaft eingesetzt haben, ja dafür gestorben sind. Wir wissen wer es war- wir müssen dafür sorgen, dass es nie wieder geschieht. Die Gewerkschaften sind sich dieser Verantwortung bewusst. Ich möchte an dieser Stelle Klaus Hofmann begrüßen, dem Initiator des „Vereins gegen das Vergessen“ und ihn und seinem Team für die so wichtige Aufklärungsarbeit in Schweinfurt danken. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Motto unseres diesjährigen 01. Mai heißt „Gute Arbeit muss drin sein“. Bevor Günther Schachner dazu spricht, begrüße ich alle Medienvertreter und freue mich auch im Anschluss auf den Auftritt der „3 von der Baustelle“, die nun zum drittem mal unsere Maifeier musikalisch unterlegen. DANKE |
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