1. Halbjahr 2008
1. Mai Bad Neustadt
Ein Maiausflug reiche nicht aus, um gegen die sich breitmachende soziale Kälte im Land etwas erreichen zu können, eröffnete DGB-Ortsvorsitzende Gudrun Scheuplein die Maikundgebung des Kreisverbands Rhön-Grabfeld in der Rathschenke.
Um dem weltweiten Turbokapitalismus etwas entgegenstellen zu können, sei eine starke gewerkschaftliche Organisation notwendig, die sich solidarisch für die Menschen einsetze und sich an das Motto „Gute Arbeit muss drin sein“ halte.

Wie der Weg zu guter Arbeit zu beschreiten sei, dazu machte sich Thomas Höhn von der IG Metall Schweinfurt Gedanken. Zuvor erinnerte er aber daran, dass vor 75 Jahren die Gewerkschaftshäuser von den Nationalsozialisten gestürmt worden waren und die aktuellen Demonstrationen der Neonazis von Gewerkschaftsseite unbedingt mit Gegendemonstrationen zu beantworten seien.

Derzeit befinde sich die Wirtschaft in einer stabilen konjunkturellen Lage, die den Unternehmen immense Gewinne beschere. In der Region Main-Rhön beispielsweise erwarten zwei Drittel der Betriebe für 2008 ein Ergebnis mit weiterer Steigerung oder zumindest gleich gut wie 2007.

Es müsste eigentlich blühende Landschaften geben, eigentlich müsste es allen gut gehen. Aber die Realität sehe nun einmal anders aus. Ein Unternehmen wie BMW beispielsweise habe einen Gewinn von 3,9 Milliarden Euro, kündige aber den Abbau von 8100 Stellen an. Auf die betroffenen Menschen komme damit Hartz IV zu, der Weg zurück führe meist in andere Arbeitsverhältnisse, die häufig unter Tarif bezahlt würden.

Ein ganz großes Problem seien die Leiharbeitsverhältnisse, die eine Fülle von Ungerechtigkeiten im Gefolge hätten: weniger als die Hälfte Lohn für dieselbe Arbeit, Unsicherheit, weniger Urlaub. Aufgabe der Gewerkschaften sei es, sich für Leiharbeiter und Hartz-IV-Empfänger einzusetzen, den Menschen die Existenzangst zu nehmen und auf das Ziel „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“ hinzuarbeiten.

Als weiteren Komplex nannte Höhn die Rente mit 67, die an der Realität der Arbeitnehmer vorbeigehe. Von Gewerkschaftsseite laute die Forderung, dass die geförderte Altersteilzeit unbedingt weitergeführt werden müsse. Die Möglichkeit, sich privat fürs Alter zu versichern, sei für jemanden mit 1000 Euro im Monat nicht gegeben.
Da die Erfolge der Unternehmen aus der Tätigkeit der Arbeitnehmer resultierten, sei eine Anpassung der Löhne bei den enormen Unternehmensgewinnen die logische Konsequenz. Wo es nicht möglich sei, dies über Tarifabschlüsse zu erreichen, müssten die Gewerkschaften für den Mindestlohn eintreten.

Zur Ausbildungssituation führte Höhn aus, dass im Raum Bad Neustadt aktuell ein Platz für drei Bewerber zur Verfügung stünde. Um das Angebot an Ausbildungsplätzen zu verbessern, sei die gesetzliche Umlagefinanzierung unumgänglich.

Viele Menschen würden spüren, dass die Ungerechtigkeit wachse. Möglichkeiten ihr entgegenzutreten bestünden für die Gewerkschaften in den Betrieben und in der Tarifpolitik mit guten Lohnabschlüssen. Nicht zuletzt müsse die Politik mit Aufruhr in Bewegung gebracht und die gesellschaftliche Diskussion in Gang gesetzt werden.

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