IG Metall bestätigt Duo Ernst/ Kippes (08.05.2008)
In einer eindrucksvoll harmonischen Versammlung der Schweinfurter IG Metall bestätigten 104 stimmberechtigte Delegierte die Bevollmächtigten Klaus Ernst und Peter Kippes in ihren Ämtern. Dabei verbesserte sich der 1. Bevollmächtigte und MdB Klaus Ernst gegenüber der letzten Wahl 2004 auf 86% (90 Ja) der Delegiertenstimmen. Peter Kippes kam in seiner Wahl zum 2. Bevollmächtigten sogar auf 94% (98 Ja) Zustimmung. von links: Klaus Ernst (1. Bevollmächtigter), Peter Kippes (2. Bevollmächtigter) Keine Überraschung also- aber eine Stärkung des Führungsduos allemal. Angesichts der vorgelegten Zahlen und Bilanzen völlig gerechtfertig, stand die Schweinfurter IG Metall wohl noch nie so gut da wie heute. Mit über 21300 Mitgliedern ist der Höchststand erreicht, die Ortskasse ist gut gefüllt, bei der Mitgliederwerbung belegt die Verwaltungsstelle Schweinfurt im bayrischen Vergleich unangefochten Platz 1. Dementsprechend stellt sich das Selbstbewusstsein der Schweinfurter Metaller dar- stark ausgeprägt, auffällig bei allen Redebeiträgen. Folglich gab es auch keinen Grund Denkzettel zu verteilen oder harsche Kritik zu üben. All diese Fakten stehen nicht nur im gedruckten Geschäftsbereicht der IG Metall, Klaus Ernst erläuterte sie stolz bei seinem mündlichen Geschäftsbereicht. Dabei legte er wert auf die Feststellung, dass diese Erfolge das Ergebnis der Gewerkschaftsarbeit aller Schweinfurter Metaller sind. Er bedankte sich bei allen Vertrauensleuten die für die Werbearbeit zuständig sind, bei den Betriebsräten für ihr Engagement, bei der Jugendvertretern für die Erfolge im Jugendwerbemonat, bei den Senioren für die telefonische Haltearbeit, bei den Bildungsreferenten für die ausgezeichnete Bildungsarbeit und bei seinen Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltungsstelle die „ein großartiges Team sind“.
Was wäre eine Rede von Klaus Ernst ohne einen politischen Streifzug durch die Realitäten. Selbstverständlich fand dieser statt. Unter großen Applaus rief Ernst alle Gewerkschaften auf die Lohnzurückhaltung aufzugeben und den eingeschlagenen Weg der offensiven Tarifpolitik fortzusetzen. „Die Unternehmen haben noch nie so viel verdient wie in den letzten Jahren. In den Schweinfurter Betrieben jagt ein Rekordjahr das nächste. Das werden wir auch bei unserer diesjährigen Lohnforderung berücksichtigen.“, so der 1. Bevollmächtigte. Ernst beklagte die volkswirtschaftlich schädliche Entwicklung der ungerechten Wohlstandsverteilung. Während der Lohnanteil am Volkseinkommen auf inzwischen nur noch 64% gesunken sei, würden die Einkommen aus Gewinne und Vermögen explodieren. So sei das Bruttosozialprodukt in den letzten vier Jahren um ca. 164 Milliarden Euro gewachsen. Davon seinen bei den Arbeitnehmern läppische 10 Milliarden hängen geblieben, bei den Unternehmen dagegen 154 Mrd.- für Klaus Ernst ein Skandal. Ziehe man davon die Preissteigerung ab, lägen Reallohnverluste vor- und das im Aufschwung.
Besonders der Vorsitzende des Sachverständigenrates der Bundesregierung Bert Rürup hatte es Ernst angetan. „Der fordert einen Mindestlohn von 4,50 €/ Stunde. Gerade Leute, die an den Geldtröpfen der Nation hängen, verordnen Anderen Armutslöhne, von denen sie selbst nie betroffen sein werden. In diesem Zusammenhang forderte er alle auf, sich am Volksbegehren des DGB Bayern für einen bayrischen Mindestlohn zu beteiligen und fleißig Unterschriften zu sammeln, „damit eine Volksabstimmung zum Mindestlohn möglich wird“.
Klaus Ernst (1. Bevollmächtigter Schweinfurt) Interessant werde es, wenn sich die CSU Generalsekretärin Christine Haderthauer zum „Schösser Volksbegehren“ äußere. Sie mache sich Sorgen wegen der Tarifautonomie. „Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn sich Frau Haderthauer Sorgen um die Tarifautonomie macht, ist das etwa so glaubwürdig als wenn sich der Papst zur Qualität von Kondomen äußert.“ Gelächter und Applaus- und Klaus Ernst in seinem Element- der spitzen Zunge.
In einen Geschäftsbericht gehören auch die personellen Veränderungen dieser Zeit. Aktuell gibt es bei der IG Metall in Schweinfurt deren zwei. Nachdem Klaus Ernst, den aus Urlaubsgründen abwesenden, ehemaligen 2. Bevollmächtigten Wolfgang Ziller für seine Arbeit dankte, verabschiedete er Matthias Gebhardt. Der seit 1994 in der Verwaltungsstelle angestellte Sekretär wechselte zum 01.Mai als 2. Bevollmächtigter zur IG Metall nach Aschaffenburg. „Ich kann mich noch gut erinnern als ich nach Schweinfurt kam. Als Stahlwerker war ich fortan zuständig für neue Technologien.“, sagte Gebhardt zum Vergnügen der Delegierten. Es war ein emotionaler Abschied eines Kollegen, der seinen Platz durch seine bodenständige, hemdsärmelige Art insbesondere in den Herzen seiner Rhöner fand. Egon Friedel, Betriebsratsvorsitzender von Preh Bad Neustadt, dokumentierte dieses besondere Verhältnis indem er Matthias Gebhardt ein Foto- Poster mit seinem Bild und der Bildunterschrift, 1. Bevollmächtigter Rhön- Grabfeld, überreichte. An der Stelle konnte auch Kollege Gebhardt seine Rührung nicht ganz verbergen.
Ein Nachfolger ist auch schon gefunden. Jens Öser, bisher Vertrauenskörperleiter und freigestellter Betriebsrat bei Schaeffler in Schweinfurt, wird an 15.06. in der Verwaltungsstelle als Gewerkschaftssekretär beginnen. Schon begonnen hat der neue „Jugendsekretär“ Thomas Höhn, der am 01.Mai einen „anständigen Vertrag“ erhielt nachdem er in seiner Ausbildungszeit zum Gewerkschaftssekretär schon bei der IG Metall Schweinfurt arbeitete. Seit zweieinhalb Jahren im Team ist Karola Boger, die aus der Vorstandsverwaltung in Frankfurt kam und sich als Gewerkschaftssekretärin und Juristin unter anderem der Rechtsberatung widmet.
Ebenfalls gen Aschaffenburg zieht es aus privaten Gründen Daniela Hummel, die „gute Seele“ (Originalton Klaus Ernst) der Verwaltungsstelle. Sie nimmt den umgekehrten Weg und beginnt in der Vorstandsverwaltung. Für sie rückt Verena Füller nach. Bisher beschäftigt bei der Schaeffler KG in Schweinfurt, und bekannt durch ihre langjährige Jugendarbeit „beim Kufi und der IG Metall“.
von links: Thomas Höhn (Gewerkschafssekretär), Karola Boger (Gewerkschaftssekretärin) Fehlen die Wahlen zum Ortsvorstand. Gemäß dem sorgfältig austarierten Vorschlag wurden gewählt: Anton Bach (BRV Fa. Reich, 97 Stimmen), Petra Blumenau (BR Schaeffler SW, 92), Willy Dekant (BRV ZF Sachs, 84), Egon Friedel (BRV Preh, 87), Wolfgang Gutgesell (BRV ZF Trading, 90), Bernd Keil (BR SKF, 94), Elisabeth Kuhn (BR SKF, 87), Norbert Lenhard (BRV Schaeffler SW, 88), Helmut Nickel (BR ZF Sachs, 93), Bernard Omert (BRV Siemens, 89), Ulrich Schöpplein (BRV Schaeffler Eltmann, 94), Norbert Völkl (BRV SKF, 92), Winfried Werner (BRV Bosch Rexroth Mechatronics SW, 91).
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