180 KKG-Mitarbeiter im Warnstreik (26.05.2008)
Tarifkampf mit E.ON – Gewerkschaft fordert 8,5 Prozent mehr Lohn
Es ist erst das zweite Mal in der Geschichte des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld (KKG), dass dortige Mitarbeiter für ihre Forderungen auf die Straße gegangen sind. Am Mittwochvormittag legten 180 Beschäftigte für drei Stunden die Arbeit nieder, um für eine Gehaltssteigerung von 8,5 Prozent zu demonstrieren.
Schon nach einer Stunde ging der Kaffee aus. Mit solch großer Beteiligung hatten wohl auch die Arbeitnehmervertreter nicht gerechnet. 90 Prozent der am Mittwoch zum Dienst erschienenen Mitarbeiter haben sich laut KKG- Betriebsratsvorsitzenden Armin Schreiber am Warnstreik beteiligt. Dazu gesellten sich auch Kollegen von E.ON Wasserkraft. Sinan Öztürk (stellv. Verdi- Geschäftsführer) zeigte sich bei seiner Ansprache begeistert: „Mit eurer Teilnahme zeigt ihr, dass unsere Forderung nach 8,5% richtig ist. Wir wollen gutes Geld für gute Arbeit.“ Öztürk bekräftigte auch die Gemeinschaft der Gewerkschaften im DGB und grüßte auch im Namen der IG Metall, des DGB und aller DGB. Gewerkschaften. „Wir sind ein Team, dass füreinander einsteht. Das ist unsere Stärke:“, sagte Öztürk unter großem Applaus.
Vor dem Eingangsgebäude der Anlage machte Schreiber die wichtigsten Punkte der Tarifauseinandersetzung deutlich. Ver.di fordert für die Beschäftigten von E.ON Energie 8,5 Prozent mehr Lohn, 120 Euro mehr für Auszubildende und deren Übernahme nach Ausbildungsende. Schreiber, der der Gruppentarifkommission angehört, bezeichnete das Angebot des Unternehmens dagegen als „Mogelpackung“.
Demnach bietet E.ON unter anderem eine Steigerung für Lehrlinge um 100 Euro, eine Einmalzahlung von 400 Euro und eine Gehaltserhöhung um fünf Prozent (gerechnet auf 14 Monate) bei gleichzeitiger Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 36 auf 37 Stunden an. Nach Gewerkschaftsrechnung macht dies eine reale Lohnsteigerung von lediglich 1,49 Prozent.
Dem stellte Schreiber eine Gewinnsteigerung des Unternehmens von zehn Prozent, die Erhöhung der Aktiendividenden um 22 Prozent und eine Anhebung der Vorstandsgehälter von über acht Prozent entgegen.
Betriebsrat Horst Schubert (E.ON Wasserkraft Main) sieht den Arbeitskampf auch im Zusammenhang mit Umstrukturierungsmaßnahmen in diesem Energiebereich. Als „erschreckend“ bezeichnete er, dass „suggerierte, aber nicht gelebte Werte“ im Unternehmen den Schritt erleichterten, dass sich Beschäftigte nicht mehr mit dem Unternehmen identifizieren könnten. Schubert kritisierte zudem, dass E.ON versuche, das Lohnniveau nach unten zu drücken, indem Einstiegsvergütungen abgesenkt werden sollen.
Zeitgleich demonstrierten vor der Münchner Konzernzentrale von E.ON Energie etwa 1500 Beschäftigte.
KKG-Betriebsratsvorsitzender Schreiber betonte in Grafenrheinfeld, dass der Arbeitskampf keine Auswirkungen auf die Sicherheit des Kraftwerks habe. Sollte es zu einem unbefristeten Streik kommen, würden Notfallpläne umgesetzt. Im Extremfall, so Peter Bergmann (ver.di), müsse die Anlage heruntergefahren werden. Laut Bergmann habe 1991 der bislang einzige Warnstreik im KKG stattgefunden und „nach einer Stunde zum Erfolg geführt“. Damit ist in der Tarifauseinandersetzung 2008 nicht zu rechnen.
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