Da war was los. In der Schweinfurter Innenstadt. Verdi hatte die Einzelhandelsbeschäftigten einiger Geschäfte zum Warnstreik für Lohnerhöhungen aufgerufen, über 350 folgten und sie zeigten, dass streiken auch Spaß machen kann. Ab 5.00 Uhr ging es für die ersten los. Um 12.15 Uhr war die Abschlusskundgebung beendet.

Die Schweinfurter Filialen von Kaufland, H & M und Schlecker, dazu die Schlecker Gebiete Hammelburg, Bad Kissingen und Haßfurt, sowie die Beschäftigten des H & M Großlagers in Großostheim waren aufgerufen und erreichten eine breite Beteiligung ihrer Belegschaften. Lohnerhöhungen haben diese dringend nötig! Mit Mini- Gehältern, unfreiwilliger Teilzeitbeschäftigung und prekären Beschäftigungsverhältnissen einerseits, immer höheren Anforderungen und Arbeitsverdichtungen andererseits sind die Beschäftigten im Einzelhandel gezwungen für faire Löhne auf die Straße zu gehen. Zu streiken um endlich Anschluss an die allgemeine Lohn- und Preisentwicklung zu bekommen. Das taten sie- und wie!
Ab 5.00 Uhr ging es beispielsweise im Kaufland Schweinfurt los. Eine Stunde später, um 6.00 Uhr bei H & M Schweinfurt, die das erste Mal streikten- und sich trauten. Per Handy und sms am Abend zuvor informiert, trafen sich die jungen Verkäuferinnen und Verkäufer vor ihrer Filiale am Rossmarkt, sammelten sich, diskutierten und entschieden sich gemeinsam zu handeln. Der H & M 1. Streik in Schweinfurt begann! Ab zur ersten Station des Tages, zu den Kolleginnen und Kollegen vom Kaufland. Als die H & M- Truppe ankam waren die Beschäftigten des Kauflands dort schon streikgemäß eingekleidet. Noch unsicher über das Handeln,

diskutierend über die Notwendigkeit legte sich langsam das flaue Gefühl bei den Streikneulingen. Die Solidarität untereinender wuchs. Nach kurzen Ansprachen von Sinan Öztürk (Verdi Schweinfurt), DGB- Regionsvorsitzenden Frank Firsching und Streikleiterin Steffi Recknagel (Verdi) ging es zum Streikfrühstück ins Cafe Vorndran. Ab 8.00 Uhr dort angekommen gab es Frühstück. Gerade der Kaffee tat gut, da es doch einige fröstelte. Nach und nach kamen dann die Streikenden mit Bussen aus Großostheim, Hammelburg, Haßfurt und Bad Kissingen dazu. Das Cafe füllte sich, di Gespräche drehten sich um den Streik, die Arbeitsbedingungen, die geringen Löhne und die Gewissheit das richtige zu tun!
Nach der Streikerfassung von Verdi, die zur Auszahlung der gewerkschaftlichen Streikunterstützung nötig ist, ging es dann so langsam zur Sache.
Um 11.00 Uhr versammelten sich die Streikenden hinter dem Cafe Vorndran auf dem Martin- Luther- Platz. Der bayerische Verhandlungsführer von Verdi, Hubert Thiermeyer, gratulierte den Anwesenden zu ihrem Mut, ihrer Entschlossenheit und ihrer Geschlossenheit. „Die letzte Tarifrunde im Einzelhandel dauerte 15 Monate bis wir unseren Tarifvertrag gesichert hatten und

ganze 1,5% Lohnerhöhung durchsetzen konnten. Eurer super Beteiligung ist es zu verdanken, dass wir schon nach wenigen Wochen ein verhandelbares Angebot auf dem Tisch haben- wir kommen voran- ihr seid großartig“, rief Thiermeyer den Jubelnden zu. Er verwies auf das Verhandlungsergebnis in Nordrheinwestfalen. Dort wurde mit den Arbeitgebern eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen ab 01.09.09 um 2,0% und ab 01.09.10 um weitere 1,5% vereinbart. Zusätzlich kommt eine Einmalzahlung von pauschal 150 Euro, für Azubis 75 Euro. Ein „super Ergebnis“ für den bayerischen Verhandlungsführer, der eben dieses auf die bayerischen Beschäftigten übertragen will. Am Freitag ist die entscheidende Verhandlungsrunde.
Die Streikenden hielt dies nicht davon ab ihre Aktionen durchzuziehen. Lautstark mit Trillerpfeiffen und Ratschen ausgestattet demonstrierten sie durch Schweinfurt. Verdi- Mann Peter König funktionierte die Demonstration kurzerhand in eine alternative Stadtführung um. Vor vielen Geschäften, insbesondere vor Filialen bestimmter Ketten, machte die farbenfrohe Demonstration einen Stopp und Peter König konnte einige Sauereien erzählen die in diesen Unternehmen passierten. Tarifbrüche, tariflose
Zustände, betriebsratsfreie Zonen, vorenthaltener Lohn, unberechtigte Kündigungen, unhaltbare Arbeitsbedingungen oder nicht ausgezahlte Sozialpläne. Nichts wurde ausgelassen. Das komplette Horrorprogramm für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer spielt sich tag täglich vor unsere Augen ab. Peter König nannte Namen und Adresse. Die Stimmung grandios. Die Abschlusskundgebung am nördlichen Marktplatz erzeugte Gänsehaut. Unter der Regie von Peter König gab es einige Grußworte, bewegende Reden von Betroffenen und immer wieder spontane Beifallsstürme für den eigenen Mut, die gewonnene Solidarität. Das sahen auch die Neulinge vom Schweinfurter H & M so.
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