1. Halbjahr 2009
IG Metall und Verdi Hand in Hand bei EDS (17.06.09)
Es ist der 6. Streiktag für einen Haustarifvertrag, gegen Entlassungen bei EDS. Höhepunkt der Streikversammlung an der Ecke Landwehrstraße/ Georg- Schäfer- Straße waren die roten Luftballons, die man gemeinsam auf die Reise schickte um die Solidarität untereinander zu symbolisieren.

Etwa 100 Kolleginnen und Kollegen trafen gegen 9.00 Uhr ein um die gut 50- Köpfe zählende Schweinfurter EDS- Mannschaft zu unterstützen. Darunter Gewerkschafterinnen von SKF, Bosch- Rexroth, ZF Sachs, Schaeffler, Preh und Siemens. Darunter auch Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser, Pfarrer Roland Breitenbach, Stellv. Verdi Geschäftsführer Sinan Öztürk, Klaus Ernst als 1.Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt, Evi Pohl (KDA) und der DGB- Regionsvorsitzende Frank Firsching. Sie alle wollten durch ihre Teilnahme die Zielsetzung des Streiks bekräftigen und die EDS Beschäftigten auch moralisch unterstützen.


IGM Sekretär Thomas Höhn begrüßte alle Teilnehmer in Namen von IG Metall und Verdi. Höhn hob unter großen Beifall hervor, dass erstmals zwei Schwestergewerkschaften im DGB gemeinsam streiken und die Zusammenarbeit vorbildlich funktioniert. Da EDS ein Konzern ist, der durch Zukäufe gewachsen sei, gäbe es unterschiedliche Gewerkschaftstraditionen. Einige Standorte kämen aus IG Metall Domänen, wie SKF Schweinfurt, andere wiederum aus Verdi zugeordneten Unternehmen. Daher die Besonderheit, dass zwei DGB Gewerkschaften in einem Konzern gemeinsam die Vertretung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuständigen seien, erläuterte Höhn.
 
Als erster Redner erhielt der IG Metall Vertrauenskörperleiter Bernd Keil das Wort. Metaller Keil ging in einem sehr emotionalen Beitrag auf die Historie der Ausgliederung der damaligen EDV- Abteilung von SKF und den Verkauf an EDS ein. Nur dem geschlossen Handeln und einer starken IG Metall sei es damals zu verdanken gewesen, dass eine Bestandssicherheit von fünf Jahren für die Beschäftigten ausgehandelt werden konnte. Keil unterstrich die Bereitschaft des SKF Betriebsrats und der SKF Belegschaft solidarisch an der Seite ihrer Kolleginnen und Kollegen zu kämpfen, sie zu unterstützen.


Hauptredner Klaus Ernst stellte die Bedeutung von Tarifverträgen und Streiks in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. „Die Tradition mit der Exportweltmeister Deutschland schon immer gut gefahren ist, ist die der Tarifverträge. In Verhandlungen versuchen wir einen Kompromiss zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen hinzubekommen. Wir suchen den Konsens. Nur wenn dieser zunächst nicht möglich ist setzen wir als letztes das Mittel des Streiks ein. Deswegen gibt es nur zwei europäische Staaten mit weniger Streiks: die Schweiz und den Vatikanstaat.“, sagte der Bevollmächtigte unter hörbarer Belustigung. „Wenn es jedoch zum Streik kommt, ist es uns ernst. Ihr streikt damit überhaupt verhandelt wird, deshalb ist dieser Streik so wichtig. Er ist Voraussetzung für Verhandlungen und aus diesem Grunde unverzichtbar.“ Besonders scharf verurteilte Ernst die Versuche der Geschäftsführer durch Besuche bei Mitarbeitern Streikbrecher zu gewinnen. „Das ist verwerflich und schändlich.“, so die Kommentierung. Im Ergebnis ist sich der Metaller sicher, dass der Streik etwas bringt, denn ohne ihn würden schon einige auf der Strasse sitzen.

Die anschließenden Grußworte von Sinan Öztürk (Verdi), Pfarrer Roland Breitenbach und Sozialsekretärin Evi Pohl rundeten die eindrucksvolle, emotionale Streikveranstaltung ab.

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