1. Halbjahr 2009
Was ist soziale Arbeit wert? (17.06.09)
Diese Frage zu diskutieren luden der Ver.di Bezirksfrauenrat und der GEW Kreisverband Schweinfurt ein. Moderatorin Kathi Petersen konnte immerhin knapp 50 Interessierte, vorwiegend Erzieherinnen und somit selbst Betroffene begrüßen, obwohl zeitgleich der Familientag am überfüllten Schweinfurter Volksfest anstand.

Auslöser der Einladung war der bundesweite Arbeitskampf der Erzieherinnen und Erzieher für einen Tarifvertrag betriebliche Gesundheitsförderung. Hintergrund der Proteste gegen teils unzumutbare Arbeitsbedingungen aber auch die überwiegend schlechte Bezahlung eines Berufes, den in unserer Problemgesellschaft immer größere Bedeutung und Verantwortung zukommt. Norbert Feulner (Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, KDA), Alexander Siegel (Ver.di) und Günter Schedel- Gschwendtner (GEW) wurden gewonnen mit den Betroffenen zu diskutieren.

Die Botschaft des Informationsabend lässt sich auf einen kurzen Nenner bringen: Unsere Gesellschaft investiert zu wenig in unsere Kinder. Die Folgen sind für alle Betroffenen spürbar. Die Erzieherinnen und Erzieher in den Kindergärten, Kindertagesstätten oder anderen Einrichtungen sind chronisch unterbezahlt, ihre Arbeitsbedingungen häufig unzumutbar. Sie sind unzufrieden mit der personellen Ausstattung der Einrichtungen, die nicht ausreichen Kinder individuell zu fördern. Die Kinder können nicht so gefördert werden, wie es für ihre Entwicklung nötig wäre. Immer mehr Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen brauchen mehr Förderung, die mit der gegebenen Personalausstattung nicht zu bewerkstelligen ist! Das Arbeitsklima in vielen Einrichtungen wird schlechter, weil von unterbezahlten Mitarbeiterinnen die zunehmend unzufrieden und gestresst sind immer mehr verlangt wird. Den Kindern tun wir damit nichts Gutes. Die zweite Botschaft des Abends war aber auch eindeutig: Um den Stellenwert zu erreichen, der nötig ist um wesentlich mehr Mittel bereitzustellen, müssen sich die Beschäftigten öffentlich zu Wort melden. Wenn nicht anders machbar auch mit Streiks. Es sind Streiks für, nicht gegen die Kinder!

Norbert Feulner (KDA), selbst gelernter Erzieher, stellet anhand eigener Erfahrungen und wissenschaftlichen Studien fest: „die Arbeitsbedingungen sind extrem hart“ und bezeichnete den Alltag der Berufsgruppe als „real existierenden Wahnsinn“. Dabei sei die Aufgabe der Erzieherinnen so wichtig. Den Kindern sozial, ethische Werte zu vermitteln! „Bildung beginnt im Kindergarten und nicht an den Uni“, mit diesem Zitat aus einer Anzeige brachte „Tante Norbert“ die Stellenbeschreibung auf den Punkt. Die „Tante Norbert“, eine Anspielung auf den geringen Männeranteil in der Berufsgruppe. So sei er früher im Beruf von den Kindern genannt worden.

Ver.di- Mann Alexander Siegel berichtete aus den Verhandlungen über den Tarifvertrag betriebliche Gesundheitsförderung, in dem es auch um Eingruppierungsfragen gehe. In früheren Tarifabschlüssen seien Fehler gemacht worden und Versprechungen der Arbeitgeber hätten sich als haltlos erwiesen, so Siegel. Deshalb sei die Eingruppierung der Erzieherinnen im TVÖD eindeutig niedrig. Die Verdi- Tarifkommission hätte sich eindeutig positioniert. Einstieg in der Gehaltsgruppe 9, dauerhaft in die Gehaltsgruppe 10. Die Arbeitgeber bewegten sich auf diesem entscheidenden Gebiet kaum. Sie wollen die Erzieherinnen abgestuft in den Entgeltgruppen 6 – 8 eingruppieren. Für Ver.di nicht verhandelbar! Nach Wochen der Sprachlosigkeit würde der Streikdruck bei den Arbeitgebern so langsam Wirkung zeigen. Inzwischen würde auch ernsthaft über ein neue Entgeltordnung geredet und auch das Thema „betriebliche Gesundheitsförderung“ sei nicht mehr tabu. „Ohne unseren Streik würden sie gar nicht mit uns reden. Jetzt müssen wir den Druck erhöhen, damit unsere Streikziele erreicht werden“, sagte der Erzieher.

In der Diskussion bestätigte GEW Mann Schedel- Gschwendtner, dass viele Erzieherinnen praktisch kein Streikrecht besäßen, da sie in kirchlichen Einrichtungen arbeiten. Er reif dazu auf dort „kreative Aktionen“ durchzuführen, die öffentlichkeitswirksam sind. Moderatorin Petersen verwies abschließend auf die hohe Streikzustimmung der Urabstimmung, die sich mit 89% ausdrückte. „Die Streikenden Kolleginnen haben es verdient unterstützt zu werden. Sie streiken für uns alle:“ Diesem Appell widersprach niemand. Jetzt kommt es darauf an, den Appell in die Tat umzusetzen. Dazu ist eine Gewerkschaftsmitgliedschaft nicht schädlich- im Gegenteil!

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