Streik notfalls auch an Heiligabend - Tarifstreit im Einzelhandel: Schlecker-Beschäftigte streiken zum dritten Mal (19.12.2007)
Der Tarifstreit im Einzelhandel hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Am gestrigen Mittwoch bestreikten Beschäftigte von Schlecker gemeinsam mit der Gewerkschaft ver.di erstmals mitten im Weihnachtsgeschäft Filialen in der Region Main-Rhön. Betroffen hiervon waren auch gut 50 Geschäfte der Drogeriekette in Stadt und Landkreis Schweinfurt.
Der Lärm ist ohrenbetäubend. Die 80 Frauen auf dem Postplatz haben Tröten, Trillerpfeifen und Ratschen mitgebracht, um ihren Forderungen nach fairen Arbeits- und Lohnbedingungen Nachdruck zu verleihen. „Hey Boss, ich will mehr Geld“, ist auf einem der Plakate zu lesen. Nunmehr schon sieben Monate dauert der Tarifstreit im bayerischen Einzelhandel an. Seit Juli gibt es in der Stadt immer wieder Streiks, nicht nur bei Schlecker, sondern auch bei Kaufland, Marktkauf und Galeria Kaufhof. Gestern war es bereits der fünfte Streiktag. Schlecker war zum dritten Mal betroffen. Die Streikbereitschaft ist aus Sicht von Peter König von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ungebrochen. Auch Weihnachts- und Urlaubsgeld sind in Gefahr, zudem sollen die Zulagen für Spätarbeit ab 18.30 Uhr fallen. Eine Kaufhof-Mitarbeiterin, die sich dem Streik spontan angeschlossen hat, stellt voller Zorn fest: „Wir wollen nicht länger arbeiten bei gleichzeitig weniger Geld – das wollen nur unsere Arbeitgeber.“ Doch es wird noch surrealistischer, mitten im Weihnachtstrubel, als plötzlich der Osterhase auftaucht. Der verteilt wie gewohnt Süßigkeiten an die Streikenden und Schaulustigen, „weil uns die Arbeitgeber ständig nur Saures geben und wir nicht bis Ostern auf einen Abschluss warten können“, meint der Streikleiter. Wirtschaftliche Verluste muss Schlecker durch den Streik nicht fürchten: Trotz einer Streikquote von 90 Prozent sind die Filialen geöffnet. Immerhin lassen sich die Schlecker-Frauen die weihnachtliche Stimmung nicht vermiesen. „Morgen Kinder wird's was geben“, singen sie, und Peter König fügt schnell noch seinen größten Weihnachtswunsch an: „Hoffentlich einen Tarifabschluss. Sonst wird notfalls auch an Heiligabend gestreikt.“ |
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