2. Halbjahr 2007
300 bei DGB- Kundgebung „Gleiche Arbeit- gleicher Lohn“ (01.12.2007)
Vor der Agentur für Arbeit demonstrierten am Samstag, 01. Dezember in Schweinfurt knapp 300 Bürgerinnen und Bürger gegen den Missbrauch von Leiharbeit. Aufgerufen hatte der DGB, weil Agenturchef Stelzer eine Leiharbeitmesse für diesen Tag ankündigte. DGB- Regionsvorsitzender Frank Firsching: „Wenn die Arbeitsagentur Schweinfurt meint, Lohndrückerei durch Leiharbeitsmessen unterstützen zu müssen, lassen wir es uns nicht nehmen, gegen diese Sauerei zu demonstrieren.“
Zur Messe ist es nicht gekommen. Die Arbeitsagentur hatte sie abgesagt. Für den IG Metall- Vize Peter Kippes ein „Erfolg der Gewerkschaften“.
Mit Transparenten, Fahnen und Trillerpfeifen brachten die Kundgebungsteilnehmer ihren Unmut gegen die ausufernde Leiharbeit zum Ausdruck. Peter Kippes, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt, begrüßte unter den Demonstranten insbesondere die Redner Peter Baumann (verdi), Jürgen Wilk (SALI), Bernd Keil (IG Metall), Verena Füller (DGB- Jugend) und den Regionsvorsitzenden Frank Firsching.

Während Baumann vorwiegend die Praktiken im Verlagswesen beim Postversand kritisierte erteilte SKF- Betriebsrat Keil der Leiharbeit eine komplette Absage. „Dort wo wir stark sind, werden wir der Lohndrückerei durch Leiharbeit den Riegel vorschieben“, so Bernd Keil in seiner Ansprache.
Firsching erinnerte an die Anfänge der Leiharbeit, die durchaus „einen akzeptablen Zweck verfolgten“. So war die Arbeitnehmerüberlassung ursprünglich dazu gedacht Arbeitsspitzen abzuarbeiten und kurzfristige Ausfälle zu kompensieren, um die Stammbelegschaft nicht über Gebühr mit Überstunden oder Zusatzschichten zu belasten. Gegen diese Art von Leiharbeit haben wir nichts, sofern der Grundsatz „gleiche Arbeit- gleicher Lohn“ gilt. Heute verfolge die Leiharbeit den Zweck Lohndumping in den Betrieben zu fördern, so Firsching. Immer stärker würde die Leiharbeit eingesetzt, um Stammbelegschaften zu ersetzen, bzw. zurückzudrängen. Die Zahlen würden dies eindeutig belegen, so seien in den letzen fünf Jahren die Anzahl der Leiharbeitnehmer hierzulande von knapp 200 000 auf über 700 000 gestiegen. Deshalb gebe es auch massives Interesse aller Beschäftigten Leiharbeitnehmer anständig zu entlohnen und nicht als Billiglöhner zu missbrauchen. Firsching forderte in seiner Rede die Bundesregierung auf die Rechte der Betriebsräte zu stärken die Verleihdauer zu begrenzen und den Grundsatz des „equal- pay“, ausnahmslos gesetzlich zu verankern.

Verena Füller verdeutlichte für die Gewerkschaftsjugend die Problematik. Sie fragte wie denn eine Familiengründung erfolgen solle, wenn nach der Ausbildung prekäre Beschäftigungsverhältnisse wie Befristungen, Mini- Jobs oder eben die Leiharbeit anschließe. Die jungen Menschen in diesen Beschäftigungsverhältnissen bekämen weder Bankkredite noch könnten sie Familienplanung betreiben. „Die beste Familienpolitik sind sichere, gerecht bezahlte Arbeitsplätze flankiert durch eine anständige Sozialpolitik“, so Füller.

Heftige Auseinandersetzungen hatte es im Vorfeld der Kundgebung zwischen dem DGB- Regionsvorsitzenden Frank Firsching und dem Agenturleiter Thomas Stelzer gegeben. Stelzer behauptete in der Presse es sei niemals eine Leiharbeitsmesse geplant gewesen, deshalb habe man sie auch nicht absagen müssen. Für Peter Kippes, wie Firsching Mitglied des Verwaltungsausschusses der Arbeitsagentur, eine Ungeheuerlichkeit: „Während der Verwaltungsausschusssitzung am 18.Oktober kündigte Herr Stelzer mit einem gewissen Stolz in der Stimme in Richtung Arbeitgebervertreter an, am 01.Dezember findet eine Zeitarbeitmesse in den Räumlichkeiten der Arbeitsagentur Schweinfurt statt.“ Anschließend begannen die Vorbereitungen des DGB für die Kundgebung „in aller Stille“, wie der DGB- Chef gegenüber den Medien berichtete. Warum die Arbeitagentur die Messe doch nicht durchführte wird wohl nie genau zu klären sein. Dennoch steht für Firsching fest: „Für uns ist es ein Erfolg, wenn unsere Kolleginnen und Kollegen öffentlich gegen Ungerechtigkeiten einstehen. Das ist das Wesen der Demokratie und unsere gesellschaftliche Aufgabe.“
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