1. Halbjahr 2010
Matthias Jena folgt Fritz Schösser als bayerischer DGB Vorsitzender (12.02.10)
München. Mit 59 Delegiertenstimmen wurde Matthias Jena zum Nachfolger von Fritz Schösser als Vorsitzender des DGB Bayern gewählt. Der 49jährige Jena, der auf Vorschlag der IG Metall nominiert war, setzte sich gegen Dominik Schirmer (Ver.di) durch, der auf 40 Stimmen kam.
Zur stellvertretenden Vorsitzenden wählte die Delegierten die bisherige TiBay- Geschäftsführerin Christiane Berger. Sie löst Heide Langguth ab, die mit Schösser altersbedingt abtritt. Sie erhielt 95 JA- Stimmen bei vier Enthaltungen und einer Gegenstimme.
Emotional ging es zu als Fritz Schösser nach seiner letzten Rede als Vorsitzender nach 20 Jahren sprichwörtlich „von der Bühne ging“. Minutenlange stehende Ovationen des vollbesetzten Saales des Arabella- Sheraton- Hotels in München. So manchen hing eine Träne im Auge, da in diesem Augenblick allen bewusst war: Fritz Schösser ist abgetreten. Ein Gewerkschafter der den DGB Bayern prägte wie kaum ein Zweiter. Das größte Kompliment erhielt Fritz Schösser vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer einen Tag später. Er sagte: „Bayern wäre nicht dieses Bayern ohne dem Bayrischen Gewerkschaftsbund und Fritz Schösser.“ Die Begegnungen mit Schösser seien für ihn immer eine Herausforderung der besonderen Art gewesen, so Seehofer.
 
Zum Inhalt:
87 Anträge zu allen gesellschaftlichen Fragen wurden diszipliniert von der Konferenz behandelt. Leiharbeit muss in die Schranken gewiesen werden, die Rente mit 67 zurückgenommen werden, die Jugend braucht sichere Arbeitsplätze, die Finanzmärkte bedürfen dringend einer Regulierung. So die wichtigsten Beschlüsse. Inhaltliche Diskussionen gab es um den Antrag der DGB Region Schweinfurt- Würzburg den politischen Streik zu fordern. Klaus Ernst, Elvira May- Lipp und Frank Firsching sprachen engagiert für den Antrag und hatten Erfolg. Denkbar knapp wurde der Urantrag aus Unterfranken mit 45 gegen 42 Stimmen angenommen. Die Forderung nach der Rechtmäßigkeit von politischen Streiks steht nun auf der Tagesordnung des DGB Bayern. Ebenfalls überraschend das Votum für die Einführung eines gesetzlichen Feiertags am 08. März, dem internationalen Frauentag, nachdem die Antragsberatung Nichtbefassung empfahl.
 
Am Rande:
Zwei Grußworte standen zu Konferenzbeginn auf dem Programm. Landtagspräsidentin Barbara Stamm war dabei inhaltlich auf der Höhe, präzise und bemüht dem DGB Bayern entgegenzukommen. Sie dankte insbesondere dafür, dass sie als Vertreterin des Landtags, dem Souverän des Volkes, eingeladen wurde und nicht nur die bayerische Staatsregierung. Diese wurde repräsentiert von der Arbeits- und Sozialministerin Christine Haderthauer. Unvorbereitet, sprachlich mangelhaft und inhaltlich sprunghaft wirkte die Ministerin konfus und amüsierte so die Konferenzteilnehmer. Den Höhepunkt erreichte der verzichtbare Beitrag mit der Feststellung „ich bin ja hier bei der größten Gewerkschaft in Bayern“. Was ein Dachverband ist sollte die zuständige Ministerin wissen- meinten unter großem Gelächter auch die Delegierten.
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