1. Halbjahr 2010
Rhöner Siemensianer besuchen Horst Seehofer (13.02.10)
München/ Bad Neustadt. Am zweiten Konferenztag um 10.30 Uhr erreichte die DGB Bezirkskonferenz Bayern ihren Höhepunkt. Gut 50 Kolleginnen und Kollegen aus dem Neustädter Siemens Werk statten der Konferenz und damit auch dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer einen intensiven Besuch ab.
Nach der Antrittsrede des neuen Vorsitzenden Matthias Jena und vor der Rede von Ministerpräsident Seehofer kamen die Siemensianer und Rhöner Metaller pünktlich an und hatten einen großen, emotionalen Auftritt. Der Applaus für die gute Rede von Jena hallte noch, als plötzlich Trillerpfeifen, rote Fahnen, und selbst gemalte Schilder die Aufmerksamkeit der Konferenzteilnehmer einforderten. Mit lautem Tamtam von riesigem Beifall und aufmunternden Rufen begleitet schritten die Rhöner auf die Bühne und stellten sich vor Seehofer auf. Die Überraschung war gelungen. Hatte doch Seehofer in einer ersten Stellungnahme Verständnis für die Siemens Pläne geäußert, 840 Arbeitsplätze in Neustadt zu streichen. Betriebsratsvorsitzender Bernhard Omert sprach dann am Mikrofon auch Klartext zu Ministerpräsidenten. „Wir wünschen uns, dass Sie sich zuerst informieren , dann nachdenken und danach reden.“, so Omert. Das saß. Horst Seehofer fühlte sich sichtlich unwohl, ruckelte auf seinen Stuhl, während Omert und Werner Schmitt auf der Bühne ihre Situation schilderten.
 
Beim Auszug aus dem Saal standing ovations. Das ging unter die Haut. Seehofer selbst wurde noch von einem Metaller „in die Mangel genommen“. Er beschwerte sich über die noch- nicht- Beantwortung eines Briefes, den er vor über einer Woche abschickte. Einige lange Minuten musste sich der Ministerpräsident die Meinung des Volkes aus der Rhön anhören.

In seiner anschließenden Rede ging der CSU- Vorsitzende auch auf Siemens ein. Er unterstrich die Bemerkung Omerts und entschuldigte sich so indirekt für seine Äußerungen. Ohne Versprechungen zu machen sicherte er den Rhönern seine Unterstützung zu. Er führe intensive Gespräche mit dem Siemens Vorstand um den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu helfen. Für den Freistaat gehe es darum zu untersuchen wie der Region Rhön- Grabfeld strukturell zu helfen sei. Dieser Auftrag liege beim Wirtschaftministerium. Dort sollen Vorschläge entwickelt werden. Unterm Strich: Ehrliche Anteilsnahme ohne konkrete Zusagen.
 
Die IG Metaller aus der Rhön waren dennoch zufrieden. Früh um fünf Uhr gestartet, wussten sie noch nicht, dass sie die Gelegenheit haben auf den Ministerpräsidenten zu treffen. Das haben die Organisatoren Jens Öser (IG Metall) und DGB Regionsvorsitzender Frank Firsching bis zuletzt für sich behalten. Mit Zuversicht ging es nach einem Gespräch mit Klaus Ernst auf die Heimreise.
 
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