1. Halbjahr 2010
Allianz für den freien Sonntag in Würzburg (24.02.2010)
Gewerkschaften und Kirchen wehren sich in Würzburg gemeinsam gegen einen zweiten verkaufsoffenen Sonntag. Am vergangenen Montag (22. Februar 2010) gründeten die Partner daher die „Allianz für den freien Sonntag in der Stadt Würzburg“. Allianzmitglieder sind der DGB, die IG-Metall, die Gewerkschaft ver.di, die katholische Kirche, die evangelische Kirche, die KAB und die afa in der evangelischen Kirche. Weitere Organisationen, Vereine und Einzelpersonen sind weitere Unterstützer.

Den Ball ins Rollen brachte der Würzburger Einzelhandelsverband. Der will die Geschäfte zusätzlich zum sogenannten Mantelsonntag im Herbst nun auch noch am 21. März öffnen. Die Allianzpartner befürchten eine schleichende Aushöhlung der Feiertagsruhe und argumentieren mit gesetzlichen Regelungen, die den freien Sonntag schützen. Der Würzburger Stadtrat beschäftigt sich noch in dieser Woche mit dem Angelegenheit. Bayernweit bestehen derzeit 14 Allianzen, die sich mit dem Thema „freier Sonntag“ beschäftigen.

Jürgen Volz, der stellvertretende ver.di Geschäftsführer in Würzburg sparte am Montag nicht mit Kritik in Richtung Oberbürgermeister Georg Rosenthal. Er bezeichnete die Form der Beteiligung durch die Stadtverwaltung als schlechten Stil. Ein runder Tisch wurde kurzerhand in eine formale Anhörung umfunktioniert, obwohl maßgebliche Beteiligte im Verfahren nicht einmal zum Gespräch eingeladen waren. Jürgen Wawersig von der Würzburger IG-Metall nannte die Ankündigung des Einzelhandelsverbandes, wonach der Antrag für einen zweiten verkaufsoffenen Sonntag der letzte in dieser Sache sei, als einen Versuch „uns auf´s Glatteis zu führen.

Zu Wort meldeten sich bei der Bündnisgründung auch Thomas Schrenk (Vorsitzender des TSV Grombühl), Karl-Peter Büttner (Vorsitzender des katholischen Dekanatsrates), Klaus Peter Schneider (KAB), Betriebsseelsorger Klaus Köhler, Pfarrer Gerhart Roth, Stefan Kern (evangelisches Dekanat) und Norbert Zirnsak (DGB).

Einhellig betonten die Wortführer der Allianz, dass sie rechtliche Schritte nicht ausschließen, falls der Stadtrat der Sonntagsöffnung in seiner Sitzung zustimmt. Die Argumente der Allianz gegen einen weiteren verkaufsoffenen Sonntag in Stichpunkten:

• Der arbeitsfreie Sonntag ist ein kulturelles, gesellschaftliches und christliches Gut und Gebot seit über 4.000 Jahren.

• Der Sonntags- und Feiertagsschutz ist im Grundgesetz (Artikel 140) und in den Länderverfassungen verankert.

• Sonntagsarbeit ist nur für dringend notwendige soziale Dienste vertretbar.

• Der freie Sonntag ist für den Biorhythmus als regelmäßiger Ruhetag wichtig. In der arbeitsmedizinischen Betrachtung ist die Sonntagsarbeit auf absolute Ausnahmen zu beschränken (soziale Dienste).

• Der Einzelhandel ist angetreten für die Gesamtwirtschaft den Sonntag als normalen Arbeitstag zu etablieren. „Heute ist es nur der Einzelhandel – morgen wird der Sonntag zum allgemeinen Werktag“. Dies gilt es Bundesweit zu verhindern.

• In Würzburg wird versucht die Sonntagsruhe dem Kommerziellen Interesse zu opfern.

• Wir wehren uns gegen eine Kommerzialisierung des Familienlebens.

• Ein breites Bündnis von Kirchen und Arbeitnehmervertretungen sind angetreten um den Bestrebungen einer Entwertung des Sonntags in Würzburg entgegen zu treten.

Weitere und ausführliche Informationen über die Allianz für den freien Sonntag in Würzburg gibt es im Internet unter: www.allianz.kab-wuerzburg.de

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