DGB Jugend
Wohin geht die Reise der Deutschen Bahn? (10.03.10)
„Wenn die Wirtschaftskrise etwas Gutes hat, dann ist es wohl die vorläufige Vereitelung des Börsengangs der Deutschen Bahn AG“. Mit diesen Worten beginnt das letzte Kapitel im kürzlich erschienenen Schwarzbuch Deutsche Bahn.
Die Frontal 21 – Journalisten Christian Esser und Astrid Randerath, beide mehrfach für ihre investigative Berichterstattung ausgezeichnet, beschreiben auf fast 300 Seiten, wie sehr der angestrebte Börsengang der Deutschen Bahn zu Lasten von Kunden und Beschäftigten geht.

Dabei liest sich das Schwarzbuch wie ein Krimi. Während Tausende Streckenkilometer in den letzten Jahren still gelegt wurden und der ländliche Raum systematisch vom Schienennetz abgeschnitten wurde, fließen Milliarden in Prestigeobjekte wie den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs in einen neuen schicken unterirdischen Edelbahnhof. Gleichzeitig wird bei der Sicherheit gespart. So überschreitet die Achsbelastung der ICEs die europäische Norm um bis zu 19 Prozent, was vom Management scheinbar ignoriert wird. Qualitätskontrollen werden durch massiv gestreckte Inspektionsintervalle und Personalabbau immer mehr zur Farce. „So werden vom Management technische Mängel bewusst in Kauf genommen, z.B. abgerissene Bremsscheiben, ausgeschaltete Bremsen oder schadhafte Achsen“.

Die Folge: eine Unfallbilanz, die die Deutsche Bahn wohl lieber in der Schublade verschwinden lassen möchte. Allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2008 ereigneten sich im Güter- und Personenverkehr sieben Zusammenstöße, 664 Aufprallunfälle, 12 Entgleisungen, 470 Unfälle mit Personenschäden, 126 Unfälle durch Zusammenprall und 45 Fahrzeugbrände. „…man liest von falsch gesicherten Containern, die von Güterzügen purzeln, Entgleisungen aufgrund von Radsatzwellen- und Schienenbrüchen und von getöteten Gleisarbeitern, deren Baustelle irrtümlich für den Zugverkehr freigegeben worden war“.

Doch nicht nur bei der Sicherheit, auch beim Personal wird gespart. Im Jahr 2009 waren 5.000 Mitarbeiter weniger beschäftigt als im Vorjahr. Beim Güterverkehr sollen weitere 6.000 Stellen wegfallen, in der Verwaltung 2.000. Und das obwohl allein das DB-Zugpersonal einen Berg von 900.000 Überstunden vor sich her schiebt. Hinzu kommen Subunternehmer, die im Auftrag der Deutschen Bahn Gleisbauarbeiten durchführen und deren Arbeiter für einen Stundenlohn von 3,50 Euro beschäftigt sind.

Es geht darum, profitabel zu sein und möglichst hohe Renditen zu erzielen. Hintergrund ist der geplante Börsengang der Deutschen Bahn. Dem Bahnchef geht es um die Maximierung der Unternehmensgewinne. Ein ICE, der sich eine ganze Woche in der Durchsicht befindet, wirft keine Gewinne ab und kostet obendrein noch Geld. Und Investitionen in teure ICE-Strecken zahlen sich für die Gewinnerwartungen mehr aus als der Ausbau des Schienennetzes im ländlichen Raum.

Deshalb muss der Weg für den Börsengang frei räumt und die Privatisierung durchpeitscht werden. So werden Mitarbeiter bespitzelt und Kritiker und Konkurrenten kaltgestellt. Politiker werden gefügig gemacht oder erpresst. Und weil trotz allem drei Viertel der Bevölkerung die Privatisierung der Deutschen Bahn ablehnt, werden fingierte Meinungsumfragen verbreitet. So wurde 2007 für 1,65 Millionen Euro eine PR-Firma damit beauftragt, „fingierte Meinungsumfragen zu verbreiten, Bahnfreundliches in Internetforen zu äußern, vorproduzierte Radiobeiträge an Sender zu verkaufen und sogar eine Bürgerinitiative pro Bahnprivatisierung zu gründen“.

Das Wohin geht die Reise der Deutschen Bahn? (10.03.10)

„Wenn die Wirtschaftskrise etwas Gutes hat, dann ist es wohl die vorläufige Vereitelung des Börsengangs der Deutschen Bahn AG“. Mit diesen Worten beginnt das letzte Kapitel im kürzlich erschienenen Schwarzbuch Deutsche Bahn. Die Frontal 21 – Journalisten Christian Esser und Astrid Randerath, beide mehrfach für ihre investigative Berichterstattung ausgezeichnet, beschreiben auf fast 300 Seiten, wie sehr der angestrebte Börsengang der Deutschen Bahn zu Lasten von Kunden und Beschäftigten geht.

Dabei liest sich das Schwarzbuch wie ein Krimi. Während Tausende Streckenkilometer in den letzten Jahren still gelegt wurden und der ländliche Raum systematisch vom Schienennetz abgeschnitten wurde, fließen Milliarden in Prestigeobjekte wie den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs in einen neuen schicken unterirdischen Edelbahnhof. Gleichzeitig wird bei der Sicherheit gespart. So überschreitet die Achsbelastung der ICEs die europäische Norm um bis zu 19 Prozent, was vom Management scheinbar ignoriert wird. Qualitätskontrollen werden durch massiv gestreckte Inspektionsintervalle und Personalabbau immer mehr zur Farce. „So werden vom Management technische Mängel bewusst in Kauf genommen, z.B. abgerissene Bremsscheiben, ausgeschaltete Bremsen oder schadhafte Achsen“.

Die Folge: eine Unfallbilanz, die die Deutsche Bahn wohl lieber in der Schublade verschwinden lassen möchte. Allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2008 ereigneten sich im Güter- und Personenverkehr sieben Zusammenstöße, 664 Aufprallunfälle, 12 Entgleisungen, 470 Unfälle mit Personenschäden, 126 Unfälle durch Zusammenprall und 45 Fahrzeugbrände. „…man liest von falsch gesicherten Containern, die von Güterzügen purzeln, Entgleisungen aufgrund von Radsatzwellen- und Schienenbrüchen und von getöteten Gleisarbeitern, deren Baustelle irrtümlich für den Zugverkehr freigegeben worden war“.

Doch nicht nur bei der Sicherheit, auch beim Personal wird gespart. Im Jahr 2009 waren 5.000 Mitarbeiter weniger beschäftigt als im Vorjahr. Beim Güterverkehr sollen weitere 6.000 Stellen wegfallen, in der Verwaltung 2.000. Und das obwohl allein das DB-Zugpersonal einen Berg von 900.000 Überstunden vor sich her schiebt. Hinzu kommen Subunternehmer, die im Auftrag der Deutschen Bahn Gleisbauarbeiten durchführen und deren Arbeiter für einen Stundenlohn von 3,50 Euro beschäftigt sind.

Es geht darum, profitabel zu sein und möglichst hohe Renditen zu erzielen. Hintergrund ist der geplante Börsengang der Deutschen Bahn. Dem Bahnchef geht es um die Maximierung der Unternehmensgewinne. Ein ICE, der sich eine ganze Woche in der Durchsicht befindet, wirft keine Gewinne ab und kostet obendrein noch Geld. Und Investitionen in teure ICE-Strecken zahlen sich für die Gewinnerwartungen mehr aus als der Ausbau des Schienennetzes im ländlichen Raum.

Deshalb muss der Weg für den Börsengang frei räumt und die Privatisierung durchpeitscht werden. So werden Mitarbeiter bespitzelt und Kritiker und Konkurrenten kaltgestellt. Politiker werden gefügig gemacht oder erpresst. Und weil trotz allem drei Viertel der Bevölkerung die Privatisierung der Deutschen Bahn ablehnt, werden fingierte Meinungsumfragen verbreitet. So wurde 2007 für 1,65 Millionen Euro eine PR-Firma damit beauftragt, „fingierte Meinungsumfragen zu verbreiten, Bahnfreundliches in Internetforen zu äußern, vorproduzierte Radiobeiträge an Sender zu verkaufen und sogar eine Bürgerinitiative pro Bahnprivatisierung zu gründen“.

Das Schwarzbuch Deutsche Bahn ist ein vorbildlich recherchierter Politkrimi nach einer wahren Begebenheit. Es zeigt, dass der Privatisierungskurs zu Lasten von Service, Sicherheit und guten Arbeitsbedingungen geht. Ausgesprochen lesenswert und vor allem denjenigen zu empfehlen, die den Börsengang für ein Seelenheil halten, das aus der verschnarchten Beamtenbahn einen konkurrenzfähigen Global Player gemacht hat.
ist ein vorbildlich recherchierter Politkrimi nach einer wahren Begebenheit. Es zeigt, dass der Privatisierungskurs zu Lasten von Service, Sicherheit und guten Arbeitsbedingungen geht. Ausgesprochen lesenswert und vor allem denjenigen zu empfehlen, die den Börsengang für ein Seelenheil halten, das aus der verschnarchten Beamtenbahn einen konkurrenzfähigen Global Player gemacht hat.

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