Fritz-Soldmann-Urkunde
Fritz Soldmann: Demokrat aus Überzeugung (11.03.09)
„Überzeugter Sozialdemokrat, erfolgreicher Gewerkschaftsführer, Kommunalpolitiker in schwerer Zeit, bedeutender Schweinfurter und vor allem Demokrat mit Leib und Seele“. So beschrieb Alt-OB Kurt Petzold den ehemaligen Stadtrat, Reichstagsabgeordneten und dritten Bürgermeister Fritz Soldmann in einer Feierstunde am Mittwochabend in der Rathausdiele.

Anlass war die für Sonntag geplante Enthüllung eines „längst fälligen Gedenksteins“. Dass der durch eine Initiativgruppe angeregte und spendenfinanzierte Stein in der Luitpoldstraße stehen wird, bezeichnete Petzold als „so etwas wie Ironie der Geschichte“. Prinzregent Luitpold herrschte in Bayern, als der in Lübeck geborene Schuhmacher 1903 nach Schweinfurt kam.

Der Standort ist gleichwohl bewusst gewählt, wirkte Soldmann doch im Gründerzeitviertel im Gewerkschaftshaus gleich um die Ecke und in der Schuhfabrik Silberstein und Neumann. Die einzige in ihre Vaterstadt zurückgekehrte Jüdin Margarita Calvary, geborene Silberstein, wohnte dem Zeremoniell bei. Sie und weitere 200 Gäste hätten mit ihrem Kommen Soldmann ihre Reverenz erwiesen, einem Mann, der „bis zum bitteren Ende seinen politischen und sozialen Überzeugungen treu geblieben und dafür mit seinem Leben bezahlt hat,“ sagte Petzold.

Er ließ auch Fritz Soldmanns Sohn Oskar, der als Landtagsabgeordneter Schweinfurt 24 Jahre vertrat, und die nach ihm benannte Oskar-Soldmann-Stiftung nicht unerwähnt, die unter anderem das Andenken an beide Soldmanns wach hält. Der frühere OB erinnerte, dass es mit einer Straße in der Gartenstadt schon länger einen sichtbaren Hinweis auf Fritz Soldmann gebe. Petzold verriet, dass die Gartenstadt mit dem damals noch munteren Pfanngraben-Bächlein sein Abenteuerspielplatz war, er selbst später in der Fritz-Soldmann-Straße gewohnt hat.

Sehr ausführlich beschäftigte sich Schweinfurts SPD-Vorsitzende Kathi Petersen mit dem Schicksal Soldmanns, den Parteifreunde Mitte Mai 1945 nach Schweinfurt holen wollten, damit er hier Bürgermeister wird. Zu spät. Fritz Soldmann starb am 31.Mai 1945 an den Folgen der KZ-Haft (Bericht über die Recherchen Petersens folgt). OB Gudrun Grieser nannte Soldmann einen bedeutenden Bürger der Stadt. Arbeiterbewegung und Gewerkschaften seien zu Recht Stolz, eine solche Persönlichkeit hervorgebracht zu haben. Soldmanns Schicksal sei Verpflichtung, „aufrechte Demokraten zu sein“.

Auch DGB-Chef Fritz Schösser hob die Vorbildfunktion Soldmanns hervor, beschäftigte sich, angelehnt an die wirtschaftlichen Krisenzeiten in den 20ern und 30ern, auch mit der aktuellen Politik. Er unterstützte dabei ausdrücklich die von der IG Metall und dem DGB formulierten Rettungsvorschläge für Schaeffler. Er sei mit IG Metall und DGB Schweinfurt der Meinung die Eigentumsrechte müssten auf die Belegschaft übertragen werden. Da dies aus politisch- ideologischen Gründen wohl nicht geschehe sei die vorgetragene Stiftungsidee schlüssig und passe als neue Antwort hervorragend in die Zeit. So brauche jede Zeit ihre eigenen Antworten, sagte Schösser. Seiner eigenen Partei, der SPD, riet Schösser in der Rathausdiele mit der Agenda 2010 zu brechen und andere Antworten zu suchen, als Sozialabbau. Deregulierung, Hartz IV, Riesterrente, Rente mit 67, Steuersenkungen für Bestverdiener und Vermögende seien es nicht wert mit der Sozialdemokratie in Verbindung gebracht zu werden, sagte Schösser unter großem Applaus.

Zum Gelingen der Veranstaltung trugen maßgeblich das Mandolinen- und Gitarrenorchester der Naturfreunde mit Arbeiterliedern und das Musikensemble Johanna und Anton Mangold sowie Matthias Vollmuth (Gesang) unter anderem mit dem Soldatenlied des Soldmann-Weggefährten Erich Mühsam bei. Die Denkmal-Initiative hat eine aufschlussreiche Broschüre über das Leben Fritz Soldmanns veröffentlicht.

Die Rede der SPD-Vorsitzenden Kathi Petersen zum Downloaden

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