Fritz-Soldmann-Urkunde
Gerhard Tollkühn mit der Fritz- Soldmann- Urkunde ausgezeichnet (23.06.09)
Es war eine beeindruckende Veranstaltung an diesem Dienstagabend in der guten Stube der Stadt Schweinfurt, der großen Rathausdiele. Der ehemalige 1. Bevollmächtigte der IG Metall Schweinfurt, Gerhard Tollkühn wurde für sein Lebenswerk mit der höchsten Auszeichnung der DGB Region Main- Rhön/ Schweinfurt, der Fritz- Soldmann- Urkunde geehrt.

Laudator Peter Kippes übertraf sich mit einer ebenso launigen wie ernsthaften und treffenden Rede zur Person Gerhard Tollkühn selbst. Den großen Beifall nach seinen Ausführungen bekam er zu Recht.
Kippes beschrieb seinen „Ziehvater“ als „Fels in der Brandung, den nichts aus der Ruhe bringen konnte“, der immer „klare Vorstellungen von Weg und Ziel der IG Metall Schweinfurt“ hatte und „Förderer, nicht Verhinderer“ war. Dabei zeichnete der jetzige 2. Bevollmächtigte den konsequenten Lebensweg von Gerhard Tollkühn nach, der 20 Jahre für die IG Metall Schweinfurt gearbeitet hat. 1975 als Jugendsekretär eingestellt, 1984 zum 2. Bevollmächtigten aufgestiegen und in den Jahren 1990 bis 1995 als 1. Bevollmächtigter für die Geschicke der Schweinfurter Verwaltungsstelle verantwortlich. In der bislang schwierigsten Zeit der Schweinfurter Metallindustrie. Zigtausende Arbeitsplätze standen während der Wirtschaftskrise 1992/´93 in Schweinfurt auf dem Spiel, ganzen Unternehmen drohte die Insolvenz. Aus dieser Zeit konnte Kollege Kippes einige Anekdoten zum Besten geben. Die Aufmerksamkeit der etwa 70 Gäste war ihm gewiss, als er Gerhard Tollkühn als Ideengeber zweier viel beachteten Aktionen dieser Zeit preisgab. Der Marsch nach Bonn 1993, war die Idee von Kollegen Tollkühn! 350 km quer durch Deutschland zu Fuß nach Bonn, in die damalige Hauptstadt. Tollkühn wollte bundesweite Aufmerksamkeit für Schweinfurt. Das gelang ihm nachhaltig, wie später auch Oberbürgermeisterin Grieser in ihrem Grußwort feststellte. „Umsetzen mussten wir das“, erinnerte sich Kippes, „das Problem dabei war, beim Gerhard durfte das alles keine Mitgliedsbeiträge kosten. Da hat er ein Lineal auf die Karte von Schweinfurt nach Bonn gelegt und gesagt: Da geht’s lang!“ Womit er auch einen Charakterzug von Tollkühn beschrieb, Beharrlichkeit und Durchsetzungsvermögen. Gegenteilig kannten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Gerhard Tollkühn das Kürzel jmn. Mitarbeiter Kippes übersetzte mit „juckt mich nicht“. Dieses Kürzel sei das Aus jedweder Diskussion gewesen. „Egal worum es ging. Sobald Gerhard „jmn“ sagte, war das Thema erledigt. Da konnten wir uns unsere Luft sparen. Jede weitere Diskussion war überflüssig.“


Der Höhepunkt der Veranstaltung war dann zweifellos die Rede von Gerhard Tollkühn. Die Atmosphäre im Rathaus bewegte sich irgendwo zwischen hoher Spannung und tiefer Anerkennung für die Lebensleistung des Ausgezeichneten. Gerhard Tollkühn erzählte von seinen Erfahrungen, die ihn als Menschen prägten. Den Zusammenhalt in der Schmiede, wo die Kollegen bei 60 oder 70 Grad Celsius richtig anpacken mussten um gemeinsam die schwere Arbeit zu bewältigen, die eine grundsätzliche Solidarität voraussetzte, weil der Job nur im Team zu erledigen war. Er berichtete bildhaft von seinen kindlichen Erlebnissen im Krieg. Als er als 7- jähriger mit seinen drei Geschwistern von der Mutter immer wieder in den Bunker gebracht wurde und die Stadt Königsberg (Schlesien) brannte als sie den Schutzbunker verließen. Erfahrungen, Bilder die sein Leben maßgeblich beeinflussten. Man konnte eine Stecknadel fallen hören als Gerhard so flüssig und anschaulich von diesen Eindrücken sprach. Da hörten auch die vier jungen Trompeter der Musikschule Schweinfurt genau hin, die die Veranstaltung musikalisch gekonnt umrahmten. Gerhard Tollkühn bedankte sich sehr bei Peter Kippes für die gelungene Laudatio. Ebenso bei Frank Firsching und dem gesamten DGB- Regionsvorstand für die hohe Auszeichnung. Er habe sich mit dem Leben von Fritz Soldmann intensiv beschäftigt und auseinandergesetzt. Dabei kam unser Kollege Tollkühn zu dem Schluss „dass niemand sagen kann. Ja, so will ich es auch machen. Denn die Konsequenz für seine Überzeugung mit dem Leben zu bezahlen, kann niemand zusagen. Das geht nicht.“ Gerührt und ergriffen dankte Gerhard allen seinen Mitstreitern, den Vertrauensleuten, Betriebsräten, den vielen Kolleginnen und Kollegen die den Aufrufen der IG Metall folgten, den Mitgliedern für ihre Treue zur Organisation und seinen Nachfolgern Peter Kippes und Klaus Ernst für die Weiterführung seiner Arbeit. „Einer allein kann eine solche Ehrung eigentlich gar nicht verdienen, sie steht für alle die mitgeholfen haben, unsere Ziele zu erreichen.“, so Gerhard Tollkühn. Standing Ovations begleitete seinen Gang vom Rednerpult zum Stuhl. Beeindruckend!

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