Fritz-Soldmann-Urkunde
DGB zeichnet Gottfried Hergenröther aus (02.07.10)
Bad Kissingen. Der langjährige stellvertretende Vorsitzende des DGB Ortsverbandes Bad Kissingen ist vom DGB Regionsvorsitzenden Frank Firsching mit der Fritz- Soldmann- Urkunde ausgezeichnet worden. Gut 70 Festgäste, unter ihnen Bad Kissingens Oberbürgermeister Kay Blankenburg, erlebten eine würdige Feierstunde im Hotel Dösch.
  
Gottfried Hergenröther, gebürtiger Kissinger, Jahrgang 1933, kam über seine Berufsstationen Duisburg und Schweinfurt 1962 zurück nach Bad Kissingen, wo er als Bauschloser im städtischen Bauhof begann, 20 Jahre lang als stellvertretender Bauhofleiter Verantwortung trug, bevor er 1996 in den Ruhestand ging. Oberbürgermeister Blankenburg sagte in seinem Grußwort mit einem Augenzwinkern zu Frau Hergenröther, „Gottfrieds zweite Liebe galt der Stadt Bad Kissingen“. Mit diesem Hinweis verband der OB seinen Dank an Gottfrieds Familie, die bei seinem ehrenamtlichen gewerkschaftlichen Engagement mitspielte und ihn dabei unterstützte, anstatt zu nörgeln.
In seiner Laudatio konzentrierte sich Hergenröthers langjähriger Wegbegleiter und Freund Ewald Kiesel auf dessen gewerkschaftlichem Engagement. „Es ist unglaublich. Von Anfang der 70er Jahre bis 2009, warst du stellvertretender Vorsitzender des DGB Bad Kissingen. Das sind fast 40 Jahre“, so Kiesel. Insgesamt sechs Vorsitzende hat Gottfried Hergenröther demnach begleitet, unterstützt und freundschaftlich beraten. Eine herausragende Leistung, meinte Kiesel. In dieser Zeit war Kollege Hergenröther 25 Jahre lang Mitglied im städtischen Personalrat, davon eine Wahlperiode stellvertretender Vorsitzender des Gremiums. Kiesel und OB Blankenburg stellten die menschlichen Vorzüge des heute 76jährigen in den Vordergrund ihrer Reden: Menschlichkeit, kollegialer Umgang, Loyalität, Verlässlichkeit und ein ausgeprägtes Organisationstalent zeichneten Gottfried Hergenröther aus. Sichtlich bewegt nahm der Geehrte die Lobeshymnen entgegen.
 
Eine viel beachtete Rede zur Fritz- Soldmann Urkunde hielt Regionsvorsitzender Frank Firsching. Er spannte dabei den Bogen von dem gewerkschaftlichen Idealbild einer Gesellschaft über die aktuelle Politik bis zu den Personen Soldmann und Hergenröther. „Eine Gesellschaft frei, gleich und gerecht. Dafür streiten die Gewerkschaften seit 150 Jahren.“, sagte Firsching um anschließend die Begrifflichkeiten zu klären. Unter Freiheit verstünden die Gewerkschaften nicht die grenzenlose Freiheit des Marktes der damit Menschen unterdrücke. Dies sei der Freiheitsbegriff der Neoliberalen. Gewerkschaften wollen soziale Sicherheit als Voraussetzung für persönliche Freiheit für alle. Er unterstrich dies mit einem Zitat des französischen Philosophen Jean Jaques Rousseau, der schon vor 250 Jahren feststellte: „Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit die unterdrückt und es ist das Gesetz das befreit.“
Merkel, Westerwelle und Seehofer bezeichnete der DGB Regionschef als „Schutzpatrone der Vermögenden“. Er verlangte zur Haushaltskonsolidierung und perspektivischen Staatsfinanzierung höhere Steuern für die Vermögenden, Krisenverursacher und Spekulanten. Gleichzeitig kritisierte er das Sparpaket, das einseitig Arbeitslose, Alleinerziehende und Familien zur Kasse bitte.
Firsching dankte Gottfried Hergenröther für seinen Einsatz zur Erreichung der gewerkschaftlichen Ziele, für die schon Fritz Soldmann kämpfte. Der Gewerkschafter und Sozialdemokrat Soldmann starb am 31. Mai 1945 an den Folgen jahrelanger Haft in Gefängnissen und Konzentrationslagern. Firsching bezeichnete den ehemaligen Reichstagsabgeordneten als „den herausragenden Gewerkschafter unserer Region“ und dankte seinen Nachkommen für die Erlaubnis diese Auszeichnung mit seinem Namen zu verbinden.
Er erinnerte auch an Rolf Preising, das Bad Kissinger Gewerkschaftsurgestein, der 2005 als erster mit der Soldmann- Urkunde dekoriert wurde, aber vor Jahresfrist von uns gehen musste: „Lieber Gottfried, ich bin mir sicher Rolf ist bei uns und freut sich mit uns über die hohe Auszeichnung an dich.“
 
Kollege Hergenröther selbst fand unter dem emotionalen Eindrücken kaum Worte zur eigenen Ehrung. Gerührt und leise, gleichzeitig aber auch ehrlich und eindringlich, dankte er seinen Wegbegleitern und seiner Familie für die Unterstützung und die Freundschaft in all den Jahren.
  
Zuvor wurde Gottfried Hergenröther mit Gattin noch vom DGB Ortsverbandsvorsitzenden Gerhard Klamet und von Manfred Töpperwien von Verdi Ortsvorstand beglückwünscht und beschenkt. Zum gelingen der Feierstunde trugen die Musiklehrer der Schweinfurter Musikschule Elke Friedl an der Querflöte und Jürgen Klose an der Gitarre maßgeblich bei.
 
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