Pressemitteilungen
DGB Würzburg: Billiglöhne müssen teuer bezahlt werden (07.02.12)

In der Stadt Würzburg müssen nach DGB-Berechnungen monatlich fast 213.000 Euro, im Landkreis Würzburg 83.000 Euro an Steuermitteln aufgewendet werden, um Geringverdienern mit Vollzeitjob das Existenzminimum zu sichern. Rechnet man die Betroffenen mit sozialversicherten Teilzeitjobs hinzu, so sind es in der Stadt 426.000 Euro und im Landkreis fast 176.000 Euro, die Stadt und Landkreis Würzburg sowie der Bund gemeinsam über das Hartz IV-System beisteuern müssen.

 „Armut trotz Erwerbstätigkeit ist auch in Würzburg ein ernstes Problem, das uns alle teuer zu stehen kommt“, so Frank Firsching, der Vorsitzende der DGB-Region Schweinfurt-Würzburg.Aufs ganze Jahr 2010 gerechnet summieren sich die Hartz IV-Aufwendungen für erwerbstätige Arme mit Vollzeitjob bereits auf 2,109 Mio. Euro (Stadt Würzburg) bzw. 5,114 Mio. Euro (Landkreis) und für jene mit sozialversicherter Teilzeitarbeit auf nochmals 2,692 Mio. Euro (Stadt Würzburg) bzw. 1,119 Mio. Euro (Landkreis).

766 bzw. 318 Haushalte wurden allein in Stadt und Land im Durchschnitt des Jahres 2010 gezählt, die von der Arbeit mindestens eines sozialversichert Beschäftigten nicht leben konnten. Im Schnitt musste der Lohn ergänzend über Hartz IV um durchschnittlich 564 Euro im Monat aufgestockt werden. Dabei nehmen längst nicht alle in Frage kommenden Geringverdiener ihren Anspruch auf zusätzliche Fürsorgeleistungen wahr. „Nur etwa jede/r zweite Vollzeitbeschäftigte stockt den geringen Verdienst mit Hartz IV auf“, so Frank Firsching. Der DGB beruft sich dabei auf frühere wissenschaftliche Untersuchungen von Sozialforschern. Wesentliche Gründe für den Verzicht seien fehlendes Wissen, aber auch „Scham und Scheu“ vor dem Antragsverfahren. Viele wollten sich nicht quasi finanziell vor den Behörden „ausziehen“. Ein Ratgeber des DGB gibt viele hilfreiche Informationen für Niedriglohnempfänger, die Anspruch auf Hartz IV haben.

Neben den Aufstockern mit sozialversichertem Job gab es 2010 aber auch 165 (Stadt) bzw. 57 (Land) Hartz IV-Haushalte von selbständig Tätigen und weitere 611 (Stadt) bzw. 244 (Land) Haushalte, in denen mindestens eine Person einen Minijob hat. Unter Einbeziehung auch dieser Bedarfsgemeinschaften mussten insgesamt für alle Erwerbstätigen mit Niedrigeinkommen in der Stadt Würzburg sogar über 1,1 Mio. Euro Monat für Monat ergänzend zum Lohn über Hartz IV aufgestockt werden. Im Landkreis Würzburg mussten hierfür etwa 487.000 Euro aufgewendet werden. Dies entspricht einer Jahressumme von sage und schreibe 13,823 Mio. Euro in der Stadt Würzburg und 5,843 Mio. Euro im Landkreis für alle erwerbstätigen Armen, die durch Hartz IV aufgestockt werden musste; diese enormen Summen zeigen, wie teuer Armut trotz Arbeit ist.

„Wenn Lohndumping und prekäre Beschäftigung nicht zurückgedrängt werden, müssen bundesweit sogar Steuermittel dauerhaft in Milliardenhöhe aufgebraucht werden. Dadurch drohen weitere Wettbewerbsverzerrungen zwischen Unternehmen, die existenzsichernde Löhne zahlten und denjenigen, die sich die Armutsfalle zunutze machen“, so Walter Feineis, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Würzburg. Die staatliche Subventionierung der Niedriglöhne müsse durch Mindestlöhne nicht unter 8,50 Euro die Stunde und ein besseres Wohngeld, insbesondere für Geringverdiener mit Kindern, zurückgedrängt werden. Gesetzliche Mindestlöhne würden Bund, Städte und Gemeinden gleichermaßen entlasten und finanzielle Spielräume für andere wichtige Aufgaben im Bildungs- und Sozialsystem schaffen.

Pressemeldung zum Download

Zurück