DGB Haßberge: Staat fördert Lohndumping mit ca. 1,6 Mio. €/ Jahr allein im Landkreis Haßberge (02.02.09)
Immer mehr Beschäftigte im Landkreis Haßberge verdienen so wenig, dass sie ihren Lohn mit Hartz IV aufstocken müssen. Im Januar 2007 waren es noch 529 Beschäftigte, die Hartz IV beantragen mussten, Mitte 2008 dagegen schon 583 Beschäftigte (+ 10,2%).
Über 100 Arbeitskräfte im Landkreis gehen einer Vollzeitbeschäftigung nach, ohne davon leben zu können. Sie sind arm trotz Arbeit. Hinzu kommen 106 Teilzeitkräfte mit sozialversicherungspflichtigem Job, die mehr als 400 € im Monat verdienten. Auch sie zahlen Sozialbeiträge, ohne von ihrer Arbeit leben zu können. Für die vollzeitnahen Beschäftigten mit Verdiensten von über 800 € muss – nach Berechnungen des DGB - der Armutslohn im Schnitt durch Hartz IV um gut 500 € im Monat aufgestockt werden, damit das gesellschaftliche Existenzminimum sichergestellt werden kann. Allein für diese Niedriglohnempfänger mit Vollzeitjob in den Haßbergen muss der Staat über Hartz IV monatlich rd. 53 000 € zuschießen. Etwa 80 000 Euro im Monat müssen noch einmal für die sozialversicherten Teilzeitkräfte aufgewendet werden. „Insgesamt muss der Staat die Armutslöhne im Landkreis Haßberge monatlich mit rd. 133 000 Euro subventionieren und damit rd. 1,6 Millionen Euro im Jahr aufwenden, “ so Reiner Greich, DGB- Kreisvorsitzender. Die Zahl der Hartz IV-Empfänger mit Minijob sei dabei nicht einmal berücksichtigt..
ZurückDer Staat subventioniere insbesondere einzelne Branchen mit hohem Verarmungsrisiko der Erwerbstätigen. Vollzeitbeschäftigte Hartz IV-Empfänger und damit auch die Hartz IV-Leistungen für Erwerbstätige konzentrieren sich auf die Leiharbeitsbranche, das Gastgewerbe sowie das Verkehrsgewerbe. Allein in diesen Branchen arbeitet ein Drittel der erwerbstätigen Hartz IV- Aufstocker. „Dass der Staat für immer mehr Beschäftigte einen Teil des Lohns übernehmen muss, weil sie zu wenig verdienen, ist ein Skandal“, sagte Greich. Die Zunahme dieser erwerbstätigen Aufstocker im vergangenen Aufschwung belege, dass einige Unternehmen die Löhne drücken, weil es Hartz IV als Zuzahlung gibt. „Der Druck, jede Arbeit annehmen zu müssen, fördert Lohndumping“, kritisierte der DGB- Vorsitzende der Haßberge. „In Deutschland haben wir deshalb mittlerweile einen der größten Niedriglohnsektoren in Europa. Das ist ein Armutszeugnis für unser reiches Land.“ Die Gewerkschaften fordern den Mindestlohn von zunächst 7,50 € pro Stunde als unterste Haltelinie gegen Lohndumping Die Einführung eines Mindestlohnes habe auch in anderen Ländern in Europa keine Jobs vernichtet. Im Gegenteil: „Wenn die Beschäftigten ordentlich bezahlt werden, können sie sich auch mehr leisten und stützen so die Konjunktur“, unterstrich Reiner Greich. Mindestlöhne entlasten den Staat finanziell und schaffen finanzielle Spielräume für andere wichtige gesellschaftliche und bildungspolitische Aufgaben. Ohne eine Ausweitung des Mindestlohns auf andere Branchen drohe sich Armut trotz Erwerbstätigkeit im Konjunkturabschwung noch deutlich zu erhöhen. Pressemitteilung zum Download |
|
