DGB-Regionsvorsitzender Firsching: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“
Haßfurt. „Leiharbeit verdrängt reguläre Beschäftigung, weil sie hierzulande zu billig ist. Diese Tatsache ist nicht zu leugnen“, sagt der Gewerkschafter Frank Firsching. Der regionale DGB Chef nimmt die aktuelle Debatte im Landkreis zum Anlass, um den Standpunkt der Gewerkschaften zu diesem Thema zu erläutern.
„Leiharbeit ist Lohndumping, so lange nicht gleicher Lohn für gleiche Arbeit bezahlt wird“, erklärt Frank Firsching. Daran ändere auch der DGB Tarifvertrag nichts, der 7,50 Euro Mindestlohn pro Stunde vorsieht, wenn der „Normalbeschäftigte“ des Entleihbetriebs beispielsweise das Doppelte verdient. Die Tarifverträge des DGB mit den Verleihfirmen seien eine Antwort auf Billigtarife christlicher Gewerkschaften. „Keinesfalls werden wir uns mit der tariflichen Lage zufrieden geben“, sagt Firsching und formuliert seine Forderungen: „Ab dem ersten Tag der Beschäftigung eines Leiharbeiters muss das Prinzip der Gleichbehandlung beim Lohn und bei allen anderen Arbeitsbedingungen gelten“. Zudem verlangt der Gewerkschafter mehr Mitbestimmungsrechte für Betriebsräte und die Wiedereinführung des so genannten Synchronisationsverbotes. „Hier hat die Politik dafür gesorgt, dass alle Risiken der Beschäftigung auf Arbeitnehmer abgewälzt werden. Das werden wir keinesfalls dulden“. Um aber eine kurzfristige Verbesserung zu erreichen, fordert Frank Firsching den Mindestlohn in der Leiharbeit: “Leiharbeiter benötigen dringend eine verbindliche Lohnuntergrenze. Deshalb ist es das Mindeste, ihnen jetzt einen Mindestlohn zu bezahlen“. Der DGB habe hier auf seinem Bundeskongress entsprechende Beschlüsse gefasst. Und Frank Firsching entkräftet das Argument, Leiharbeit habe eine Brückenfunktion hin zu mehr regulärer Beschäftigung. „Die Mehrheit der Leiharbeiter steht nach kurzer Zeit wieder vor den Toren der Arbeitsagenturen“. Dazu nennt er Zahlen: Im zweiten Halbjahr 2008 wurden 481.000 Verträge in der Leiharbeit abgeschlossen, aber 667.000 beendet. „Es wurden mehr Menschen entlassen, als eingestellt, sagt der Gewerkschafter. Leiharbeitsverhältnisse sind nach Firschings Worten meist nur von kurzer Dauer. „Gut die Hälfte der Arbeitsverträge dauert weniger als drei Monate und jede zehnte Beschäftigung sogar weniger als eine Woche. Die Verleiher bieten vielen Beschäftigten weder eine dauerhafte Perspektive, noch verbessern sich für die übergroße Mehrheit durch Leiharbeit die Chancen auf eine Übernahme im Einsatzbetrieb“, erklärt Frank Firsching. „Leiharbeit ist keinesfalls eine Arbeit wie jede andere“. Das Entlassungsrisiko ist ungleich höher, die Verdienstaussichten und Aufstiegschancen für die Arbeitnehmer dagegen wesentlich niedriger als in einem Normalarbeitsverhältnis. Und das, obwohl Leiharbeiter genauso qualifiziert und sogar flexibler sein müssen, als ihre Kolleginnen und Kollegen in den Stammbelegschaften. Deshalb sei es sogar gerechtfertigt Leiharbeiter besser zu bezahlen als die Stammbelegschaft, wie es beispielsweise in Frankreich gesetzlich vorgeschrieben sei. Ändere sich an der ungleichen Bezahlung zu Lasten der Leiharbeiter nichts, würden sie auch weiterhin zum Lohndumping benutzt. „Außerdem waren es in der Krise die Leiharbeitnehmer, die als erste ihren Job verloren haben“, sagt der Gewerkschafter. „Anfang Juni werden Gewerkschafter, Betriebs- und Personalräte in Zusammenarbeit mit der KAB und der Betriebseelsorge in Haßfurt umfassend über das Problem Leiharbeit aufklären“, freut sich Frank Firsching. Der DGB denke außerdem darüber nach, die stellvertretende Generalsekretärin der CSU, Dorothee Bär zu einem Podiumsgespräch zum Thema einzuladen. „Natürlich würden wir es außerordentlich begrüßen, wenn Frau Bär bei einer solchen Gelegenheit die Auswüchse in der Leiharbeit genauso kämpferisch in Frage stellt, wie das ihr Parteikollege Günther Jackl tut“, erklärt Frank Firsching abschließend. Pressemeldung zum Download |
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