Pressemitteilungen 2007
DGB Region Main-Rhön/Schweinfurt: Steigendes Verarmungsrisiko am Ende des Berufslebens stoppen. Ältere Arbeitslose besser absichern und Eingliederung verbessern. (24.10.2007)
„Knapp die Hälfte der älteren Arbeitslosen ab 50 Jahre erhält in der Stadt Schweinfurt noch Arbeitslosengeld während die andere Hälfte bereits auf Hartz IV abgerutscht ist. Auch im Landkreis Schweinfurt sind bereits rd. 40% auf Hartz IV angewiesen“, so der DGB-Regionsvorsitzende Frank Firsching.
Von den 346 älteren Arbeitslosen in Schweinfurt wurden im September 2007 nur noch 187 von der Arbeitslosenversicherung betreut und 159 auf Hartz IV verwiesen. Im Landkreis Schweinfurt sind von 551 älteren Arbeitslosen schon 220 auf Hartz IV angewiesen und nur noch 331 bekommen Arbeitslosengeld. Diese Fakten zeigen nach Einschätzung von Frank Firsching, wie notwendig der DGB-Vorschlag nach Verlängerung des Arbeitslosengeldes für Ältere ist. Dieser Vorschlag nach einer stufenweisen Verlängerung des Arbeitslosengeldes sei pragmatisch und finanziell vertretbar, weil er nicht zur alten Regelung von 32 Monaten zurückgeht, sondern lediglich eine stufenweise Verlängerung auf bis zu 24 Monate vorsehe.

Die anziehende Konjunktur habe erfreulicherweise dafür gesorgt, dass das Risiko, den Job zu verlieren, zwar abgenommen habe; aber die Chancen Älterer, aus Arbeitslosigkeit wieder in Erwerbstätigkeit einzusteigen, haben sich noch nicht nachhaltig verbessert – trotz guter Konjunktur. Auch die arbeitsmarktpolitische Förderung für ältere Arbeitslose sei keinesfalls zufriedenstellend.

Die längere Zahlung von ALG I kann daher nur ein Aspekt sein, um die ungünstigen Chancen Älterer auf dem Arbeitsmarkt ausgleichen zu können. Ebenfalls notwendig seien zusätzliche Qualifizierungs- und Beschäftigungsangebote. Um möglichem Missbrauch und einer Verlagerung betrieblicher Risiken auf die Arbeitslosenversicherung entgegenwirken zu können, müsse ebenso die Erstattungspflicht der Arbeitgeber bei Entlassung langjährig beschäftigter älterer Arbeitnehmer wieder eingeführt werden.

Die Verkürzung des ALG I sei keinesfalls zentrale Ursache für den Rückgang der Arbeitslosigkeit unter Älteren, sondern vielmehr die gute Konjunktur sowie die steigende Zahl der Altersteilzeitfälle, die auch in der Freistellungsphase zu den versicherungspflichtigen Beschäftigten zählen.
Die Kürzung des ALG I trat erst im Februar 2006 in Kraft, die ersten älteren Arbeitslosen konnten erst vor wenigen Monaten in Hartz IV abrutschen. „Wenn die Kürzungen beim ALG I voll wirksam werden, wird sich das Verarmungsrisiko am Ende des Berufslebens ohne Umsetzung der DGB-Vorschläge nochmals deutlich erhöhen“, so der Regionsvorsitzende Frank Firsching. Diese Abwärtsspirale ist bereits im Gange, auch wenn längst nicht alle Arbeitsuchenden als Arbeitslose gezählt werden.

Alles in allem sind bereits 1077 Menschen in der Stadt Schweinfurt im erwerbsfähigen Alter von 50 bis unter 65 Jahre auf Hartz IV angewiesen. Ihre Zahl erhöhte sich innerhalb eines Jahres um 97 Personen bzw. 9,9%, während die Zahl der erwerbsfähigen Hilfebedürftigen insgesamt nur um 1,5% angestiegen ist. Im Landkreis Schweinfurt sind es 545 älteren Menschen die auf Hartz IV angewiesen sind. Die Anzahl erhöhte sich innerhalb eines Jahres um 28 Personen bzw. 9,0%. Die Gesamtanzahl der erwerbsfähigen Hilfebedürftigen ist dagegen um 9,7% gesunken (Stand Mai 2007). Finanzielle Nachbesserungen beim Arbeitslosengeld für Ältere sind notwendig, damit einem Anstieg des Verarmungsrisikos am Ende des Berufslebens entgegengewirkt werden kann. Frank Firsching appellierte zugleich an die Betriebe, auch den älteren Arbeitslosen eine Chance bei der Besetzung neuer Stellung zu geben.

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