Pressemitteilungen 2008
DGB Rhön- Grabfeld: Löhne und Kaufkraft im Landkreis real um 10,9% gesunken (14.11.2008)
Im Landkreis Rhön- Grabfeld ist die Bruttolohn- und -gehaltssumme der sozialversichert beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vom Jahre 2000 bis 2005 um insgesamt 21 Millionen Euro (- 3%) auf 679 Mio. Euro gesunken. Dies ist das Ergebnis einer gewerkschaftlichen Auswertung, die Frank Firsching, DGB-Regionsvorsitzender Main- Rhön/ Schweinfurt veröffentlichte.
Die Auswertung beruht auf den Meldungen der Arbeitgeber an die Sozialversicherung und enthält neben den Bruttolöhnen an die Arbeitnehmer auch noch die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung.

Die Verbraucherpreise sind zugleich in diesen Jahren um 7,9 Prozent gestiegen. Daraus ergibt sich ein reales Kaufkraftminus von 10,9 Prozent in nur fünf Jahren! „Wenn sich der Lohn wie bei uns gar verringert und die Preise steigen ist klar, dass sich die Kaufkraft der Arbeitnehmer im Landkreis Rhön- Grabfeld deutlich vermindert hat.“, sagte die DGB- Vorsitzende von Rhön- Grabfeld Gudrun Scheuplein. Die Lohn- und Gehaltssumme entfiel auf rund 29 200 sozialversichert Beschäftigte im Landkreis.
Auch im längerfristigen Vergleich sind die Löhne und Gehälter preisbereinigt deutlich gesunken. Nominell sind sie insgesamt für bundesweit alle Arbeitnehmer zwar von 1995 bis 2005 um 42,9 Mio. bzw. 4,9 Prozent gestiegen. Doch dieser Anstieg der Bruttolöhne wurde von der Preissteigerung wieder zunichte gemacht. Berücksichtige man die Preissteigerungsrate von insgesamt 14,8 Prozent, habe die Inflation den Anstieg der Arbeitseinkommen mehr als „aufgefressen“. Insgesamt seien die Lohnkosten in diesem Zeitraum deutlich - um rd. 10 % - gesunken.

Im Schnitt verdienten die Arbeitskräfte in Rhön- Grabfeld erheblich weniger als im Bundesdurchschnitt. So lag die Bruttolohnsumme pro Kopf 2005 bundesweit bei 25.266 Euro und in den alten Ländern bei 26.542 Euro. Hier hingegen waren dies pro Kopf im Schnitt mit nur 23.306 Euro im Jahr gut 3.000 Euro weniger als in den alten Bundesländern insgesamt. „Die steigende Zahl schlecht bezahlter Jobs wie beispielsweise die Leiharbeit hat zweifelsohne dazu beigetragen, dass die Arbeitnehmerverdienste in der Region insgesamt deutlich gesunken sind“, betonte Scheuplein.
„Es kann nicht verwundern, dass die Kaufkraft viel zu niedrig ist, wenn die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weniger Geld in der Tasche haben.“

Zugleich sei die Kluft zwischen hohen und niedrigen Einkommen gewachsen. Zwischen 1995 und Mitte 2005 sanken die Reallöhne der Geringverdiener um fast 14 Prozent, während die Gutverdiener zumindest einen Zuwachs von 3,5 % verzeichnen konnten.

Um die Konjunktur zu stabilisieren, müssten Löhne und Kaufkraft gestärkt werden. „Gute Löhne müssen endlich für alle Beschäftigten drin sein, und der sich ausbreitende Niedriglohnsektor gehört endlich gestoppt“, sagte die DGB- Kreisvorsitzende. Diesbezüglich hofft Scheuplein, dass der bayerische Verfassungsgerichtshof grünes Licht für das DGB- Volksbegehren „bayerischer Mindestlohn“ gibt, damit die bayerischen Wähler die Möglichkeit haben im Frühjahr 2009 für den Mindestlohn zu stimmen.

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