Pressemitteilungen 2008
DGB: Starke Gewerkschaften = bessere Löhne, reales Lohnplus in Schweinfurt +6,7% in fünf Jahren (16.12.08)
In der Stadt Schweinfurt ist die Bruttolohn- und -gehaltssumme der sozialversichert beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vom Jahre 2000 bis 2005 um insgesamt gut 187 Millionen Euro (+ 14,6%) auf 1,46 Mrd. Euro gestiegen. Dies ist das Ergebnis einer gewerkschaftlichen Auswertung, die Frank Firsching, DGB-Regionsvorsitzender Main- Rhön/ Schweinfurt veröffentlichte. Die Auswertung beruht auf den Meldungen der Arbeitgeber an die Sozialversicherung und enthält neben den Bruttolöhnen an die Arbeitnehmer auch noch die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, die von den Unternehmen innerhalb der Stadtgrenzen Schweinfurts gezahlt wurden.


Die Verbraucherpreise sind zugleich in diesen Jahren um 7,9 Prozent gestiegen. Daraus ergibt sich ein reales Kaufkraftplus von +6,7 Prozent in diesen Jahren! „Damit entwickelten sich die Löhne in Schweinfurt positiv gegen den Trend. Verantwortlich dafür ist die Industriestruktur mit über 20 000 Arbeitsplätzen in der Metall- und Elektroindustrie, der damit verbunden tariflichen Bindung an die IG Metall. Auf den Punkt gebracht heißt das: Die positive Lohnentwicklung ist vor allem der IG Metall zu verdanken.“, sagte die DGB- Chef Firsching. Die Lohn- und Gehaltssumme entfiel auf rund 49 700 sozialversichert Beschäftigte in der Stadt Schweinfurt.
Der Regionsvergleich zeigt die Sonderstellung Schweinfurts in der Entwicklung der Löhne und Gehälter. So ist im fünf- Jahres- Vergleich von 2000 – 2005 die Lohn- und Gehaltssumme preisbereinigt im Landkreis Schweinfurt um 4,3% gesunken, im Landkreis Haßberge um 8%, im Landkreis Bad Kissingen um 6,2% und im Landkreis Rhön- Grabfeld sogar um 10,9%! Nominell sind sie insgesamt für bundesweit alle Arbeitnehmer im zehn- Jahres- Vergleich von 1995 bis 2005 um 4,9 Prozent gestiegen. Doch dieser Anstieg der Bruttolöhne wurde von der Preissteigerung wieder zunichte gemacht. Berücksichtige man die Preissteigerungsrate von insgesamt 14,8 Prozent, habe die Inflation den Anstieg der Arbeitseinkommen mehr als „aufgefressen“. Insgesamt seien die Lohnkosten in diesem Zeitraum deutlich - um rd. 10 % - gesunken.

Verantwortlich für diese Entwicklung sind mehrere Faktoren. Da ist zu erst die bundesweit abnehmende Tarifbindung, die dafür sorgt, dass zum Teil gute Lohnabschlüsse von den Gewerkschaften gemacht werden, diese aber nicht bei den Mitabeitern ankommen, weil der Arbeitgeber nicht tarifgebunden ist. Weiter der rasant wachsende Niedriglohnsektor der immer mehr arbeitende Menschen zu Hartz IV- Aufstockern macht und das Niveau insgesamt drückt. Ausschlaggebend für diese Entwicklung sei die Bestimmung im Hartz IV- Gesetz, nach dem einen Arbeitslosen jede Stelle zuzumuten ist, gleich wie sie bezahlt ist.

Im Schnitt verdienten die Arbeitskräfte, die ihren Arbeitsplatz in Schweinfurt haben mehr als im Bundesdurchschnitt. So lag die Bruttolohnsumme pro Kopf 2005 bundesweit bei 25.266 Euro und in den alten Ländern bei 26.542 Euro/ Jahr. Hier hingegen waren dies pro Kopf im Schnitt mit 28.568 Euro (+10,5 nominal, + 2,6 real ggü. 2000) im Jahr gut 2.000 Euro mehr als in den alten Bundesländern insgesamt. „Diese gute Zahl, darf nicht darüber hinweg täuschen, dass viele Beschäftigte auch in Schweinfurt unterbezahlt sind und viel zu wenig verdienen. Ich denke dabei an Beschäftigte die nicht unter dem Schutzschirm der Gewerkschaften stehen und im Niedriglohnbereich ohne Tarifvertrag zu Hungerlöhnen arbeiten.“, sagte Firsching.
(Vergleich: Landkreis Schweinfurt 21 418 Euro, Rhön- Grabfeld 23 306 Euro, Bad Kissingen 21 529 Euro, Haßberge 23 665 Euro).
„Eindeutig nachweisbar ist damit der Zusammenhang zwischen guten Löhnen und gewerkschaftlicher Organisationskraft. Oder anders ausgedrückt: Starke Gewerkschaften führen zu höheren Löhnen und mehr Gerechtigkeit.“

Zugleich sei die Kluft zwischen hohen und niedrigen Einkommen gewachsen. Zwischen 1995 und Mitte 2005 sanken die Reallöhne der Geringverdiener um fast 14 Prozent, während die Gutverdiener zumindest einen Zuwachs von 3,5 % verzeichnen konnten.

Um die Konjunktur zu stabilisieren, müssten Löhne und Kaufkraft gestärkt werden. „Gute Löhne müssen endlich für alle Beschäftigten drin sein, und der sich ausbreitende Niedriglohnsektor gehört endlich gestoppt“, sagte der DGB- Regionsvorsitzende. Diesbezüglich hofft Firsching, dass der bayerische Verfassungsgerichtshof grünes Licht für das DGB- Volksbegehren „bayerischer Mindestlohn“ gibt, damit die bayerischen Wähler die Möglichkeit haben im Frühjahr 2009 für den Mindestlohn zu stimmen.

Pressemitteilung zum Download

 

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